Ulrike Renk – Interview

Elizas Bücherparadies: Liebe Ulrike Renk, erst einmal vielen herzlichen Dank, dass Du Dich unseren Fragen stellst! Du bist eine leidenschaftliche Köchin, dies merkt man schnell, wenn man Dir in den sozialen Netzwerken folgt. Was fasziniert Dich so am Kochen?Ich esse furchtbar gerne und ich liebe es, Gäste zu haben. Außerdem finde ich Kochen sehr kreativ. Mein Motto ist: Wer nach Rezept kocht, ist feige 😉

Ulrike Renk: Ich habe Familie und koche fast jeden Tag frisch – seit Jahrzehnten. Das ist dann auch mal nur schnell ein paar Nudeln in den Topf werfen. Aber wenn ich Gäste habe oder wir ein besonderes Essen machen, dann erfordert das zum einen Zeit und auch Ideen. Ein Menü muss aufeinander abgestimmt sein und die Komponenten müssen aufeinander aufbauen. Ich gehe auf den Markt und lasse mich inspirieren, das finde ich wunderbar entspannend. Auch das Kochen an sich finde ich großartig.

Elizas Bücherparadies: Bevor wir uns Deinen Romanen widmen, magst Du uns erzählen, wie Du zur Schriftstellerei gekommen bist?

Ulrike Renk: Ich wollte schon immer schreiben, schon als Kind. Und habe natürlich auch geschrieben – kleine Geschichten, Tagebuch etc. Dann habe ich Literaturwissenschaften studiert und fand, das 365 Leute jeden Satz, den ich schreibe, besser schreiben können.
Aber nach meiner Scheidung bin ich quasi in mich gegangen und habe mich gefragt, was ich im Leben wirklich machen möchte. Und das war: Ein Buch schreiben und es veröffentlichen – in einem richtigen Verlag. Ich habe mir dafür 5 Jahre gegeben und mir gesagt: Wenn es nicht klappt, habe ich es wenigstens versucht.
Nun ja, es hat geklappt.

Elizas Bücherparadies: Mein (Eliza) erstes Buch von Dir war „Die Australierin“ und die dazugehörigen Folgebände. Aber Du schreibst auch Krimis, historische Romane und Belletristik. Magst Du diese Abwechslung oder hängt an einem Genre Dein Herz ganz besonders?

Ulrike Renk: Tatsächlich hängt mein Herz an den „historischen“ Romanen und tatsächlich empfinde ich es als etwas Besonderes, wenn mir eine Familie ihre Geschichte schenkt.
dennoch werde ich demnächst einen rein fiktiven Roman schreiben.

Elizas Bücherparadies: Deine letzte Saga spielt zur Zeit des Nationalsozialismus am Niederrhein. Mir hat die Seidenstadt-Saga sehr gefallen. Für mich ist es teilweise nicht einfach gewesen weiterzulesen, da einige Ereignisse sehr unter die Haut gehen. Was hat Dich an dieser Geschichte so gefesselt, weshalb Du sie erzählen wolltest?

 Ulrike Renk: Also erstens: Es ist nicht meine letzte Saga 😉
Als ich die Villa Merländer besucht habe und immer wieder auf die Familie Meyer gestoßen bin, hatte ich sofort eine Art Film im Kopf, eine Art Drehbuch zu der Saga. Ja, manche Dinge sind schwer zu schreiben, aber das sind auch die Dinge, die wir nicht vergessen sollten.

Elizas Bücherparadies: Wie findest Du Deine Romanstoffe, gerade die der Familiengeschichten?

Ulrike Renk: Bisher haben sie immer mich gefunden – auf ganz verschiedenen Wegen.

Elizas Bücherparadies: „Mit eine Familie in Berlin“ wechselst Du nicht nur das Setting, sondern auch die Zeit. Paulas Geschichte beginnt am Ende des 19. Jahrhundert und spielt in Berlin. Stellte Dich dies vor Herausforderungen? In welcher Zeit hättest Du persönlich lieber gelebt?

Ulrike Renk: Die Kaiserzeit ist tatsächlich schwieriger zu beschreiben (für mich zumindest), weil damals so viele Dinge so anders waren – gleichzeitig aber wurden dort die Weichen für unsere Welt gestellt. Es ist eine spannende Zeit, aber sie steckt in einem Korsett.
Ich persönlich bin ganz froh, heute zu leben. Ich liebe meinen Saugroboter, meine Spülmaschine, meinen Trockner und unsere Zentralheizung …

Elizas Bücherparadies: Paula und Richard Dehmel sind historische Persönlichkeiten. Was ist die Chance, aber auch die Gefahr bei einem Roman über Menschen, die es tatsächlich gegeben hat?

Ulrike Renk: Paula und Richard waren mal sehr, sehr bekannt – aber sie sind vergessen worden. Nun kann ich ihnen ein kleines Comeback bieten. Vor allem für Paula freut mich das – sie hat ganz großartige Kinderreime geschrieben und viele werden sie kennen, wissen aber nicht, das Paula sie einst schrieb.
Über Personen zu schreiben, die wirklich gelebt haben, ist immer eine Herausforderung – da kann man viele Fehler machen. Aber ich schreibe ja keine Biografien in dem Sinne, sondern Romane – das macht es dann wieder ein wenig einfacher.

Elizas Bücherparadies: Richard Dehmel ist sicherlich keine „einfache“ Figur gewesen. Erst recht, wenn man als Autorin das Ende kennt bzw. als Literatur- oder Geschichtskennerin von diesem Literaten schon mal etwas gehört hat. Es war nicht leicht mit Richard, oder?

Ulrike Renk: Tatsächlich nicht. Zumal ich mit meinem ersten Mann ähnliche Erlebnisse hatte, das machte mir Richard nicht gerade sympathischer. Aber ich habe mich natürlich sehr intensiv mit ihm beschäftigt und mich ein wenig mit ihm ausgesöhnt, doch das kommt erst im nächsten Buch.

Elizas Bücherparadies: Paulas große Liebe ist aber nun einmal Richard. Was hat Dich an Paula ganz besonders fasziniert?

Ulrike Renk: Bestimmt nicht, wie sehr sie Richard geliebt hat. Aber andererseits hat mich das auch ein wenig beeindruckt – eine so tiefe Liebe, über all die Enttäuschungen hinweg.
Paula war eine faszinierende Person, ich liebe sie wirklich – wie sie mit ihrem Schicksal umgegangen ist, ihre Nachdenklichkeit, aber auch ihren feinen Humor, den man in ihren Märchen erkennen kann.

Elizas Bücherparadies: Meine Lieblingsfigur ist Tante Guste und der kleine Carl. Wen hast Du ins Herz geschlossen?

Ulrike Renk: Tante Guste – auf jeden Fall Tante Guste. Nun gab es sie und sie hat Paula tatsächlich sehr unterstützt, aber den Großteil ihres Charakters habe ich erfunden. Doch da ist immer dieser Gedanke: Vielleicht war sie ja wirklich so …

Elizas Bücherparadies: Der zweite Teil der Saga „Eine Familie in Berlin – Ursulas Träume“ spielt ein paar Jahre später. Der 1. Weltkrieg wird dann Thema sein. Magst/ darfst Du uns noch ein wenig mehr verraten? Wer ist Ursula und wird es ein Wiedersehen mit Paula geben?

Ulrike Renk: Ja, es wird ein Wiedersehen mit Paula geben. Und mit ihren Kindern. Ursula hat Heinrich Dehmel geheiratet – sie wurde also Paulas Schwiegertochter. Aber Ursula hatte ihre eigene, faszinierende Lebensgeschichte – das alles kann man dann im Februar erfahren.

Elizas Bücherparadies: Vielen herzlichen Dank für das Interview!