Oliver Kern (Luis Sellano) und seine Arbeit als Autor

Eliza’s Bücherparadies: Schriftsteller wird man nicht, weil man eine Lehre oder Ausbildung gemacht hat. Wie kam es bei Ihnen dazu?

Oliver Kern: Ich habe immer schon viel gelesen und dadurch irgendwann selbst Lust bekommen, selbst etwas zu schreiben. Zudem ist es mir schon immer leichtgefallen, mir Geschichten auszudenken. Aber erst als mir eine gänzlich unvoreingenommene Person (selbst erfolgreicher Autor und Schreiblehrer) sagte, er könnte mir hinsichtlich des Schreibens nichts mehr beibringen, wusste ich, dass ich tatsächlich Schriftsteller werden kann.

 

Eliza’s Bücherparadies: Ein Roman basiert meistens auf einer Idee. Wie ist dieser Roman entstanden?

Oliver Kern: Ende August vor zwei Jahren habe ich in Lissabon zufällig ein Antiquariat entdeckt. Ich wusste schon vorher, ich will einen Roman schreiben, der in Lissabon spielt. Diese Entdeckung gab den Impuls und legte die Basis für die Idee, danach hat es gearbeitet.

 

Eliza’s Bücherparadies: Die Handlung in einem Roman ist sehr wichtig, beschreiben Sie bitte die Entwicklung von dem Plot zu diesem Buch.

Oliver Kern: Nachdem die Idee stand, habe ich einen Plot kapitelscharfen verfasst. Das ist für mich generell die Grundlage, um daraus einen Roman zu schreiben. Zu wissen, was passiert im jeweiligen Kapitel und wohin geht die Reise. Das Ausarbeiten der Kapitel ist dann Handwerk.

 

Eliza’s Bücherparadies: Die Recherche ist für einen Roman sehr wichtig, was können Sie mir dazu verraten?

Oliver Kern: Das Internet ist eine große Hilfe, wenn es um Recherche geht. Aber es kann die Erlebnisse und Empfindungen vor Ort niemals ersetzen. Hätte ich Lissabon nicht selbst intensiv gespürt, hätte ich nicht so darüber schreiben können. Ich war erst neulich wieder dort, um mir neue Eindrücke und Inspiration zu holen.

 

Eliza’s Bücherparadies: Wie viele Fach- und Schachbücher haben Sie für diesen Roman gelesen, um den Background der Geschichte abzudecken?

Oliver Kern: Vier bis fünf Werke, wobei ich die sehr individuell ausgewählt habe. Das hat sich bezahlt gemacht.

 

Eliza’s Bücherparadies: Haben die Schauplätze in Ihren Romanen immer reale Vorbilder, und wenn ja, haben Sie diese auch besucht? Gab es etwas Lustiges auf einer Recherchereise, dass Sie uns verraten möchten?

Oliver Kern: Die meisten Schauplätze gibt es so in der Realität, das ist mir wichtig, weil es die Glaubwürdigkeit der Geschichte untermauert. Daher schaue ich mir die Orte auch genau an. Aber trotz allem bleibt der Roman Fiktion und wenn es für die Geschichte nötig ist, stutze ich mir die Örtlichkeiten auch zurecht wie ich sie brauche.

Ich gehe durch die Stadt und versuche sie durch die Augen meiner Protagonisten zu sehen. Was dazu führt, dass man sich anders verhält als normale Touristen, was gelegentlich zu verwunderten Blicken führt. Warum läuft dieser Mann schon zum x-ten Mal durch diese komplett hässliche Gasse? Was hat der Kerl in meinem Hausflur zu suchen? Das kann zu überraschenden Begegnungen führen oder abenteuerlich werden, was ich sehr genieße.

 

Eliza’s Bücherparadies: Haben Sie persönlich eine Lieblingsfigur in diesem Roman?

Oliver Kern: Jede Figur ist mir irgendwie wichtig, auch die Bösewichte, weil ich ja zu jeder Figur eine Beziehung aufbaue, damit ich verstehe, wie oder warum sie so agiert. Sehr gerne mag ich den alten Griesgram Renato, vielleicht, weil ich seinen Zynismus teile.

 

Eliza’s Bücherparadies: Entwickeln sich die Figuren immer so wie man es geplant hat? Oder haben die Figuren manchmal ein Eigenleben?

Oliver Kern: Das kann ich nie ausschließen, dass Figuren sich anders geben, als ursprünglich vorgesehen. Das ist immer die große Überraschung beim Schreiben. Und das ist auch gut so, wenn ich nicht immer alles voraussehen kann. Wichtig ist nur, die Ausreiser zum richtigen Zeitpunkt wieder einzufangen.

 

Eliza’s Bücherparadies: Wann zieht man eine Fortsetzung in Betracht, von Anfang an oder erst später?

Oliver Kern: In Fall meines Lissabon-Krimis war von vornherein eine Reihe geplant. Einfach, weil die Grundidee dafür prädestiniert ist. Henriks zweiten Fall habe ich vor eine Woche abgeschlossen. Die Leser müssen aber leider bis zum nächsten Frühsommer darauf warten.

 

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