Monika Pfundmeier – Interview Teil 2

Eliza:
BLUTFÖHRE erzählt, wie du bereits sagtest, eine ganz besondere Geschichte. Wie bist Du in diesem speziellen Fall die Planung zu diesem Roman angegangen? Eine solche Story schreibt man ja nicht aus dem Bauch heraus…

Monika Pfundmeier:
Ähäm … ehrlich gesagt hatte ich gar noch nicht so viel Plan, wie man ein Buch „richtig“ schreibt. Meinen ersten Roman Blutföhre bin ich also tatsächlich vom Bauch heraus angegangen. Oft genug bin ich dabei aber ins Stocken gekommen und hab auch schon mal den Glauben dran verloren. Nach und nach hab ich mich mit der Fachliteratur zum Schreiben beschäftigt. In dem Fall war es „Learning by Doing“. Bei Löwenblut war das ganze viel geplanter und dadurch leichter und schneller.

Eliza:
Also würdest du schon empfehlen sich einen Plan fürs Schreiben zu erstellen?

Monika Pfundmeier:
Definitiv. Beim nächsten Mal würd ich mich in jedem Fall vorher mit Schreibratgebern auseinandersetzen. Ich mache im Vorfeld immer einen groben Plan, das hilft mir einfach zur Orientierung. Zu „eng“ kann ich’s nicht planen, weil sich immer was entwickelt, dass ich zum Zeitpunkt der Planung nicht geahnt habe, aber insgesamt bin ich einfach viel schneller und effizienter dadurch.

Eliza:
Wie ist das mit deinem Protagonisten, wie gehst du da vor? Wie verbindest du historische Persönlichkeiten mit fiktiven Figuren?

Monika Pfundmeier:
Zunächst versuche ich so viel wie möglich über meine historischen Figuren herauszufinden. Da gibt es auch Lücken oder Widersprüchliches, das ist einfach der damaligen Geschichtsaufzeichnung geschuldet, andererseits gibt es auch einiges „drumherum“ an Personen, Begebenheiten, Schilderungen von damals üblichen Gebräuchen. Aus diesem „Drumherum“ leite ich mir dann ab, wie meine fiktiven Personen gewesen sein könnten – plus ein Schuss meiner Phantasie. Meine fiktiven Personen „benutze“ ich dann sehr gerne, um z.B. die Motive der historischen Personen besser zu erklären in Dialogen oder geschilderten Szenen.

Eliza:
Wie wichtig ist für dich die historische Korrektheit?

Monika Pfundmeier:
Für mich ist historische Korrektheit sehr wichtig – soweit dies möglich ist. Falls ich aufgrund der Dramaturgie etwas ändere – ein historisches Ereignis vor- oder nach hinten verlege(n müsste), gebe ich sowas im Nachwort an. Ein wenig mehr Freiheiten erlaube ich mir bei meinen fiktiven Personen und deren Persönlichkeiten. Die dürfen auch emotionaler und „moderner“ sein. Das ist mir auch sehr wichtig, weil ich immer noch glaube, wir können aus (der) Geschicht(e) lernen – und ich glaube, wir lernen am besten, wenn wir uns mit Personen/Ereignissen identifizieren können.

Eliza:
Wo und wie recherchierst Du?

Monika Pfundmeier:
Sehr oft in der StaBi München. Die Bibliothek ist riesig und umfassend, es gibt eine eigene Abteilung fürs Mittelalter, und das Schöne ist: auch online steht viel an Büchern und Dokumenten bereits zur Verfügung. Vor Ort recherchiere ich ebenfalls – soweit das möglich ist. 2017 war ich deswegen in Süditalien (Neapel, Torre Astura, Terracina). Zum einen um mir einen Eindruck vom Leben, Aussichten und von (Lauf-)Wegen damaliger Zeit zu verschaffen. Zum anderen versuche ich diesen Eindruck auch meinen Lesern weiterzugeben.

Quelle: Monika Pfundmeier

Eliza:
Was war für dich mal das Schwierigste, um an eine Info zu kommen?

Monika Pfundmeier:
Die größte Herausforderung war bislang Torre Astura. Das ist eine mittelalterliche Burgruine im Meer. Der Standort liegt in einem großen von einem hohen Zaun umgebenen Militärgebiet. Dreimal fuhr ich zu dem Gelände, und jedes Mal stand ich vor verschlossenen Toren. Erst nach und nach fand ich mit brüchigem italienisch heraus: Bis Ende Juni ist der Zutritt dort für die Öffentlichkeit gesperrt. Meine Recherchereise hatte ich aber nur vom 13.-20. Juni geplant – Verlängerung nicht möglich. Da musste ich mir was einfallen lassen.

Eliza:
Und was hast du gemacht?

Monika Pfundmeier:
Erstmal bin ich total entnervt, frustriert und ein wenig wütend auf mich selbst, weil ich keinen Weg gefunden hatte, in meine Unterkunft. Da kam ich mit dem Gastgeber ins Gespräch, und der gab mir den entscheidenden Tipp. Mit einem kleinen Fischerboot kam ich – beinah wie meine Protagonisten in LÖWENBLUT – dann schließlich doch noch ans Ziel und an wunderschöne Aufnahmen der Location. Für mich hat sich das Abenteuer gelohnt.

Eliza:
In Löwenblut geht es ja auch um den Glauben, um den „alten Glauben“ und den „neuen Glauben“. Ein wichtiger Kirchenlehrer spielt eine wichtige Rolle. War es von Anfang an geplant einer solchen Persönlichkeit in deinem Roman Raum zu geben?

Monika Pfundmeier:
Der Kirchenlehrer – und vor allem in der Gewichtung – war gar nicht geplant. Über die Recherche bin ich darauf gestoßen, dass Thomas von Aquin zu dieser Zeit a) „aktiv“ war b) am Hof des Papstes war – und prägende Schriften verfasst hat. Ich hab ne ganze Weile gehadert, ob ich mir die Auseinandersetzung und den Aufwand mit dieser für die Kirche sehr wichtigen Person „antue“. Letztlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es wichtig und erzählenswert ist für den gesamten Zusammenhang und den Fortgang der Geschichte. Ich konnte ihn einfach nicht übergehen.

Eliza:
Ich persönlich finde dies gut, weil er einfach zu der Zeit gehört und somit eine wichtige Figur ist. Besonders Spaß hat mir die Szene mit den beiden Kindern gemacht, die beten und die Gottesmutter darum bitten, dass ihr Vater wieder kommt. Hat Dir die Szene beim Schreiben auch so viel Spaß gemacht?

Monika Pfundmeier:
Das ist definitiv eine meiner Lieblingsszenen 🙂 Ich hatte ziemlich schnell das Bild im Kopf und von Anfang an war das eine sehr leuchtende und lebendige Szene. Über den Kontrast Kinder/Erwachsene wird manchmal viel mehr über Ansichten und Einstellungen deutlich, als in langen Erklärungen.
Dazu kommt: Rom liebe ich als Stadt – und das Pantheon liebe ich als Gebäude. Da musste einfach eine Szene spielen.

Eliza:
Ich fand die Szene auch einfach köstlich! Rom – Deine Sehnsuchtsstadt? Oder hast Du eine andere Lieblingsstadt?

Monika Pfundmeier:
Rom ist ganz weit vorne – definitiv. Kopenhagen hab ich 2017 für mich als Stadt entdeckt, und natürlich kehre ich auch gerne wieder nach London, Lissabon, Berlin, New York, Hamburg, Nizza oder Halifax zurück. Meine Heimatstadt Augsburg ist auch wunderschön. Mein Herz schlägt allerdings am lautesten für München ❤

Eliza:
In welcher Stadt wird denn unter anderem dein neuer Roman spielen?

Monika Pfundmeier:
In meinem nächsten Historischen Roman wird München eine stärkere Rolle spielen – und womöglich dürfte auch Frankfurt eine gewisse Rolle spielen.

Eliza:
Magst Du uns schon was mehr über dieses Romanprojekt verraten?

Monika Pfundmeier:
Mein nächster Historischer Roman beschäftigt sich noch einmal mit der Zeit – und der letzten Jahre – des Interregnums. Die beiden Könige im Heiligen Römischen Reich haben sich über die Jahre gegenseitig blockiert, das Land ist im Chaos. Die Gegner des Heiligen Römischen Reiches haben sich dagegen eifrig bemüht, ihre Gebiete zu vergrößern – und die Grenzen des Reiches sind kein Grund, zu stoppen.
Die Fürsten erkennen die Gefahr, aber ihre Streitigkeiten und Intrigen beschäftigen sie stärker. Herzog Ludwig II. „der Strenge“ versucht, die Fürsten zu zusammenzubringen. Wieder einmal kommt ihm dabei seine Vergangenheit in die Quere. Zudem muss er einen schlimmen Schicksalsschlag erleiden, der aber auch eine Chance für ihn werden könnte.
Mathilde von Habsburg verfolgt die Entwicklung aus der Ferne. Sie fürchtet sich mehr denn je vor der Zukunft und den ehrgeizigen Plänen ihres Vaters. Er hat sich verändert, und er will sie, seine Älteste, endlich verheiraten. Infrage kommt nur, wer ihm einen gehörigen Vorteil und Macht verschafft.

Im nächsten Buch wird auch spannend, inwieweit die Hofdame Cäcilia wieder ihre Finger im Spiel hat, wie es mit ihr und Georg weitergeht. Und sicher wird auch die von vielen Lesern geliebte Friggerl wieder dabei sein. Tja – auch um Thomas von Aquin werde ich nicht herumkommen.

Quelle: Monika Pfundmeier

Eliza:
Okay, das klingt wirklich sehr spannend. Wenn Zeitreisen möglich wären welche historischen Persönlichkeit würdest du gerne treffen oder welches historische Ereignis miterleben?

Monika Pfundmeier:
Leonardo da Vinci würde ich irre gerne treffen.

Eliza:
Was würdest du mit ihm machen wollen bzw. Ihm sagen und warum?

Monika Pfundmeier:
Ich würde sehr gerne eine Woche mit ihm verbringen wollen, diesem Universalgenie über die Schulter schauen und mich mit ihm unterhalten wollen, woher er die Inspiration für all seine Tätigkeiten zieht. Und was er sich beim Malen seiner Bilder so gedacht hat – und wie er so zu Religion stand J

Eliza:
Und dann natürlich einen Roman drüber schreiben?

Monika Pfundmeier:
Auf jeden Fall

Eliza:
Hand aufs Herz, wie warst Du in Geschichte zu Schulzeiten?

Monika Pfundmeier:
In Geschichte hab ich meine erste (ich glaube aber auch, meine einzige) 5🙈
Das war auf jeden Fall ein Ansporn

Eliza:
Dann kannst du deinem Geschichtslehrer bzw. deiner Geschichtslehrerin ja ein Exemplar deiner Bücher schenken. Vielen lieben Dank für dieses ehrliche und ausführliche Interview!

Monika Pfundmeier:
Leider ist der Lehrer vor ca. 15 Jahren gestorben 😞 ( meine schlechten Geschichtskenntnisse waren nicht schuld 😉 ).
Sehr gerne, meine Liebe. Das waren tolle Fragen und hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit dir! 😘😘

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