Marita Spang / Marie Lacrosse – Interview Teil II

Eliza: Ich persönlich liebe z.B. Downton Abbey. Hast Du solche Serien geschaut, um Dir ein wenig beim Kopfkino zu helfen, was die unterschiedlichen Welten von Herrschaften und Dienerschaft angeht?

Marita Spang: In der Tat habe ich mir die ersten 4 Staffeln von Downton Abbey angesehen, als ich zeitgleich für das „Weingut“ recherchiert habe. Dies allerdings eher, um die Abläufe in einem hochherrschaftlichen Haus auf spielerische Weise (z.B. beim Bügeln) kennenzulernen, als um mich mit dem Verhältnis von Herrschaft und Dienerschaft auseinanderzusetzten. Dies wird nämlich in Downton Abbey meiner Ansicht nach sehr glorifiziert dargestellt, es entspricht zumindest nicht dem Verhältnis des normalen Dienstmädchens zu seiner Herrschaft im 19. Jahrhundert, wie es meine Quellen darstellen. Trotzdem geht es in dieser Hinsicht in Band 1 des Weinguts noch einigermaßen human zu. Sollte ich die Gelegenheit dazu bekommen, werde ich allerdings auch die mir bereits bekannten schrecklicheren Verhältnisse darstellen, in denen viele Dienstmädchen leben mussten.

Eliza: Magst Du ein klein wenig zu Deiner Gefühlslage berichten, als Du von Deinem Verlag erfahren hast, dass „Das Weingut“ als Spitzentitel angeboten werden soll und Du Dich nur wenig später auf der Bestsellerliste wiedergefunden hast?

Marita Spang: Beide Male hat es mich vollständig überrascht und ich konnte es anfangs kaum glauben. An diesem Tag fühlte ich mich so, als ob Weihnachten, Ostern und ein Lottohauptgewinn auf einen Tag gefallen wären.

Quelle: http://www.droemer-knaur.de

Eine Anekdote rankt sich um meinen ersten Platz auf der Bestsellerliste in der 2. Woche nach Erscheinen des Weinguts: Hier hatte ich im Rahmen der Erweiterung meiner E-Mail- und Websiteadressen auf „Marie Lacrosse“ morgens mit meinem Internet-Provider gesprochen, der viel schneller, als ich ahnte, genau die E-Mail-Adresse außer Kraft setzte, mit der ich eigentlich am gleichen Tag gegen 15 Uhr erfahren hätte, dass es das „Weingut“ auf die Bestsellerliste geschafft hat. De facto habe ich das erst 24 Stunden später erfahren. Sowohl meine Programmverantwortliche bei Goldmann als auch mein Agent hatten sich in der Zwischenzeit natürlich außerordentlich darüber gewundert, keinerlei Reaktion von mir zu bekommen.

Als ich diese Mail dann endlich zur Kenntnis nahm, habe ich so laut geschrien, dass meine Kehle noch Stunden später rau war.

Eliza: Dein neuster historischer Roman „Die Rose des Herzogs“ ist gerade frisch als eBook erschienen, darin spielt Napoleon und die Französische Revolution eine große Rolle. Franz Gerban aus „Das Weingut“ vertritt ebenfalls diese Ideale. War diese Parallele gewollt oder ist sie reiner Zufall?

Marita Spang: Das ist ein reiner Zufall. Die Kerngeschichte zur „Rose des Herzogs“ fand mich in Ettenheim, genauso wie die Kerngeschichten meiner anderen Knaur-Romane mich fanden.

Außerdem stehen meine männlichen Hauptfiguren, der Herzog von Enghien und Franz Gerban, der französischen Revolution absolut gegenteilig gegenüber.

Mit der Schwärmerei für die Ideale der Französischen Revolution habe ich bei Franz Gerban einfach das nachgestellt, was ich in meiner Studentenzeit auch selbst erlebt und mitgemacht habe: Den Protest von jungen Leuten gegen das Establishment. Ich kann mich heute noch an die Szenen erinnern, die sich diesbezüglich zwischen meinem Mann und seinen Eltern abspielten, als es z.B. um die amerikanischen Atomraketen ging, die in Deutschland stationiert wurden.

Also habe ich mir vorgestellt, dass ein rebellischer junger Mann im 19. Jahrhundert (zumal ein Franzose) eher auf diese Weise gegen den großbürgerlichen Vater opponierte.

Der Herzog von Enghien lehnt dagegen die Franz. Revolution zeit seines Lebens ab, zumal er sich ja auch zu Recht als eines ihrer Opfer betrachtete.

Eliza: Auf Facebook hast Du immer mal wieder Bilder von Deinen Recherchereisen gezeigt. Wie wichtig sind diese Reisen für Dich?

Marita Spang: Recherchereisen sind absolut wichtig für mich, da ich ein sehr visueller Mensch bin. Sobald ich einen Schauplatz live sehe, kommen mir viele Ideen, die später in meinen Romanen Eingang finden. Allerdings gehöre ich nicht zu denjenigen Autoren, die den Anspruch haben, minutiös jede Straße und Gasse der damaligen Zeit nachzustellen.

Eliza: Auf was achtest Du bei diesen Reisen besonders? Magst Du uns von einer Begebenheit erzählen, an die Du noch gerne zurückdenkst?

Marita Spang: Eine Begebenheit ist mir gerade besonders stark in Erinnerung: Der fanatische Major von Kaisenberg, der, historisch belegt, fast seine gesamte Kompanie am Geisberg bei Weißenburg in den Tod führte, liegt auf dem Altenstadter Friedhof begraben. Das entdeckte ich erst, als Band 1 bereits fertig war, im Rahmen einer Recherchereise zu Band 2. Vorher hatte ich stundenlang gegoogelt, um herauszufinden, welchen Vornamen dieser Major hat. Dies blieb vergeblich. Heute weiß ich, dass er „Leopold“ hieß. Was mich besonders entsetzt und abgestoßen hat, dass seine Grabinschrift, die heute noch gut lesbar ist, seinen sinnlosen „Heldentod“ auch noch verklärt.

Eliza: Über welche Person oder historisches Ereignis würdest Du gerne einmal schreiben?

Marita Spang: Da habe ich aktuell absolut keine Vorliebe. Die meisten meiner Geschichten finden mich irgendwann oder ich habe sie bereits im Kopf. Meine aktuellen Pläne darf ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten, eine vage Buchidee über irgendein Ereignis oder irgendeine Person, die ich noch keinem Verlag angeboten habe, existiert augenblicklich nicht.

Das Ichtratzheim’sche Haus, wo Enghien wohnte (Quelle: Marita Spang)

Eliza: Bleibt der „Ausflug“ als Marie Lacrosse einmalig oder sind weitere Familiensaga-Projekte geplant bzw. würdest Du Dir dies wünschen?

Marita Spang: Wenn es nach mir und hoffentlich auch nach Goldmann geht, werde ich weiterhin auch als Marie Lacrosse schreiben. Da meine dortige Marke „Gesellschaftsdramen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts“ ist, halte ich es für recht wahrscheinlich, dass ich auch weitere Zeitperioden im Rahmen von Familiensagas darstellen kann. Wünschen tue ich mir dies.

Eliza: Gibt es noch irgendetwas was Du uns Lesern mit auf dem Weg geben willst?

Marita Spang: Dass Ihr tatsächlich die wichtigste Komponente meines Autorendaseins geworden seid. Anfangs habe ich für mich selbst geschrieben, um öde Abende in Hotels, in denen ich als Beraterin ja immer wieder bis heute logiere, für mich angenehmer zu machen. Erst durch das Feedback meiner Leserinnen und Leser hat Schreiben allerdings für mich die Bedeutung gewonnen, die es heute hat. Auf jeden Fall werde ich aufhören zu schreiben, wenn die Begeisterung für meine Bücher in meiner Lesergemeinde deutlich nachlässt. Schon jetzt schmerzt mich jedes Feedback, auch wenn es noch sehr selten ist, dass jemand eines meiner Folgebücher nicht mehr so gut findet wie ein vorheriges.

Eliza: Ich danke Dir recht herzlich, dass Du Dich so geduldig meinen Fragen gestellt hast und wünsche Dir mit Deinen beiden aktuellen Büchern ganz viel Erfolg! Sicherlich werden wir uns eines Tages wieder einmal persönlich treffen.

Marita Spang: Ganz lieben herzlichen Dank für diese Möglichkeit, mich als Autorin im Rahmen eines Specials auf deinem hochgeschätzten Blog Elizas Bücherparadies darstellen zu dürfen.

Ende

Advertisements