Maria W. Peter und ihre Arbeit als Autorin

Eliza’s Bücherparadies: Schriftsteller wird man nicht, weil man eine Lehre oder Ausbildung gemacht hat. Wie kam es bei Ihnen dazu?

Maria W. Peter: Schwer zu sagen, wann alles bei mir anfing. Schreiben wollte ich eigentlich schon immer. Bereits im Kindergarten habe ich selbstillustrierte Bücher gebastelt, in der Grundschule erste Geschichten verfasst. Seither habe ich immer weiter gemacht. Schriftstellerei und Journalismus, das waren oder sind meine beiden Standbeine. Als Teenager verfasste ich kurze szenische Stücke und Sketche, die teilweise auch aufgeführt wurden, mit 15 Jahren hatte ich meine erste Veröffentlichung in einem Jugendmagazin. Von da an ging es immer weiter, wurde immer professioneller. In den USA war ich dann auf der Journalistenschule, nebenher studierte ich dort auch etwas Kreatives Schreiben. Alles andere kam dann von selbst. Meine ersten richtigen Romane schrieb ich noch während des Studiums. Kurz nach dem ersten Staatsexamen schickte ich die Manuskripte los und hatte ich gleich vier Vertragsangebote von Verlagen. Der Rest ist Geschichte.

 

Eliza’s Bücherparadies: Ein Roman basiert meistens auf einer Idee. Wie ist „Die Küste der Freiheit“ entstanden?

Maria W. Peter:  Auch das ist nicht so leicht zu beantworten. In „Die Küste der Freiheit“ haben sich einige Ideen vereint, die ich zuvor schon längere Zeit mit mir herumgetragen hatte. Für diesen Roman kamen dann alle irgendwie passend zusammen, bildeten eine harmonische Einheit, ein großes Ganzes. Da war zum einen die Geschichte deutscher Einwanderer in Amerika, vor allem auch die Legende um die „verkauften Hessen“ – Soldaten aus Kassel und anderen deutschen Fürstentümer, die an die Briten vermietet wurden, um mit ihnen in den amerikanischen Kolonien die Revolution zu bekämpfen. Daneben interessierte mich brennend die Geschichte deutscher Mennoniten, die wirklich sehr facettenreich und spannend ist. Aber auch die irische Geschichte, der irische Freiheitskampf besitzt in dem Roman einen besonderen Stellenwert, getragen durch die Figur Seán O’ Flanagans. Daneben spielt aber natürlich die amerikanische Vergangenheit in dem Roman eine besondere Rolle (oft von deutscher Perspektive aus betrachtet), dazu die afroamerikanische Geschichte, die Geschichte der Sklaverei und der Schuldknechte, von denen sehr viele aus Europa kamen – auch aus Deutschland. Kurz und gut, hinter diesem Roman stand eine Vielzahl von Ideen, die zuvor alle unterschiedlich lange in meinem Hinterkopf gebrodelt hatten.

 

Eliza’s Bücherparadies:Die Handlung in einem Roman ist sehr wichtig, beschreiben Sie bitte die Entwicklung von dem Plot zu „Die Küste der Freiheit“.

Maria W. Peter:  Huch, noch so eine komplexe – wenn auch spannende – Frage, deren Beantwortung hier eigentlich den Rahmen sprengen würde. Grundlegend kann man sagen, dass sich der Plot des Romans an den Geschichten der verschiedenen Protagonisten entlang hangelt, deren Wege sich immer wieder kreuzen und immer enger miteinander verflechten. Da ist zum einen die junge deutsche Schuldmagd Anna, die sich selbst verkaufen muss, um ihren Weg nach Amerika zu bezahlen, dann der hessische Offizier Lorenz von Tannau, der mit seinem Regiment nach Amerika in den Krieg geschickt wird. Dazu kommt der Ire Seán O’ Flanagan, der eine tragische Vergangenheit verbirgt und den Irlands verzweifelter Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung bis nach Amerika führt. Daneben gibt es aber auch den reichen Plantagenbesitzer John Huntley, der auch in Virginia dem britischen König treu ergeben ist und die Sklavin Rose, die ihre ganz persönliche Freiheit sucht… um nur die wichtigsten Figuren zu nennen. Ihre Geschichten entwickeln sich vor dem Hintergrund des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und so verschmelzen private Wünsche und Sehnsüchte, die große Politik, Revolution und Krieg – und nicht zuletzt die Liebe – zu einer dicht miteinander verwobenen Handlung.

Das war teilweise das Ergebnis von ausgiebiger Recherche und akribischer Planung, teilweise haben sich Figuren, Handlungsstränge und Ereignisse aber auch sehr intuitiv entwickelt, aus dem Bauch raus, scheinbar wie von selbst.

Ich finde, der Schreibprozess gleicht immer wieder einem kleinen Wunder.

 

Eliza’s Bücherparadies: Die Recherche ist für einen Roman sehr wichtig, was können Sie mir dazu verraten?

Maria W. Peter:  Recherche ist das A und O. Ich bin dabei so penibel und haarspalterisch, dass in meinem Fall die Recherche den größten Teil der Arbeit ausmacht. Noch vor dem Schreiben, dem Umarbeiten und dem Korrigieren. Wie eine Besessene recherchiere ich alle noch so kleinen historischen, gesellschaftlichen, ja sogar sprachlichen und medizinischen Details. Bei „Die Küste der Freiheit“ wusste ich nachher sogar, in welchen Schritten  Tabak angepflanzt und geerntet wird, welche Wetterbedingungen und Windrichtungen bei welcher Schlacht herrschten und welche Farbe die Erde in der Chesapeake Bay hat. Und mein medizinisches Fachwissen, von traditionellen Behandlungsformen von Infektionen bis hin zur Diagnose von Gelbfieber wuchs dabei ebenfalls gewaltig. Dazu wälze ich Unmengen von Fachliteratur, Primärquellen aber auch wissenschaftliche Abhandlungen. Wenn immer möglich reise ich zu den Schauplätzen meiner Romane, oft sogar mehrfach. Daneben führe ich endlose Gespräche mit Experten, Uniprofessoren, Historikern, Archäologen und auch Medizinern. Alle meine bisher erschienenen Bücher wurden am Ende auch noch einmal von einem Uniprofessor Korrektur gelesen, um sicher zu gehen, dass auch alles stimmt. Ich bin da wirklich ungeheuer kleinlich. Aber ich glaube, der Leser spürt gleich, ob ein Roman gut recherchiert oder nur so zusammenphantasiert ist. Solide Recherche macht eine Geschichte farbiger, plastischer, es macht mehr Spaß, sie zu lesen, da man gleich in eine authentisch wirkende Welt hineingezogen wird.

 

 

Eliza’s Bücherparadies: Wie viele Fach- und Schachbücher haben Sie für „Die Küste der Freiheit“ gelesen, um den Background der Geschichte abzudecken?

Maria W. Peter:  Das kann ich nicht zählen. Wirklich sehr viele. Ich glaube, eins oder gar anderthalb große Billyregale sind nun voll mit Büchern zu den unterschiedlichen Themen des Romans. Da ich bei den anderen Romanprojekten ähnlich umfangreich recherchiere, muss ich nun tatsächlich anbauen…

 

Eliza’s Bücherparadies: Haben die Schauplätze in Ihren Romanen immer reale Vorbilder, und wenn ja, haben Sie diese auch besucht? Gab es etwas Lustiges auf einer Recherchereise, dass Sie uns verraten möchten?

Maria W. Peter:  Die Schauplätze, Regionen, Städte und Dörfer sind real, meist sogar bis in die einzelnen Straßenzüge. Das macht den Reiz der Sache ja aus. Fiktion ist gut, aber die Schauplätze, die historischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten sollten stets stimmen. Daher reise ich, wenn immer möglich, zu den Orten des Geschehens, meist sogar mehrfach. Das hilft ganz enorm, den Geist des Ortes einzufangen, sich einen Eindruck von den geographischen und geologischen Gegebenheiten zu verschaffen. Bei historischen Romanen sehen heute natürlich die Städte und Straßenbilder oft anders aus, als zur Zeit der Geschichte. Dennoch ist es immer empfehlenswert, sich ein eigenes Bild vor Ort zu machen. Beim Rest hilft dann historisches Kartenmaterial, alte Gemälde und Skizzen – gelegentlich sogar Computersimulationen.

Lustige Ereignisse bei der Recherche, na ja, oft genug gab es da auch recht peinliche. In meiner Besessenheit, alles ganz genau zu sehen und zu begreifen, bin ich schon in so manchen Fettnapf gefallen. So zum Beispiel, als ich im Römisch-Germanischen Museum Köln unter einem römischen Bettgestell herumkroch, um herauszufinden, wo man dort etwas zwischen den Lederriemen verstecken könnte. Der Museumswärter fand das gar nicht so lustig. Andere Peinlichkeiten verschweige ich nun lieber.

 

Eliza’s Bücherparadies: Haben Sie persönlich eine Lieblingsfigur in „Die Küste der Freiheit“?

Maria W. Peter:  Oh, da gibt es so viele. Gerade in diesem Roman faszinieren mich im Grunde alle meine Figuren. Selbst die Gegenspieler, die Bösen, haben ein sehr facettenreiches Eigenleben entwickelt. Eine Lieblingsfigur, hm, von den Protagonisten Anna und Lorenz einmal abgesehen… wahrscheinlich Noah.

 

Eliza’s Bücherparadies: Entwickeln sich die Figuren immer so wie man es geplant hat? Oder haben die Figuren manchmal ein Eigenleben?

Maria W. Peter:  Manchmal? Ich würde sagen, immer. Wenn die Figuren stimmig und originell sind, führen sie den Autor dorthin, wo sie es möchten, nicht umgekehrt. Eine Figur, die sich willkürlich formen lässt wie Knetmasse kann nicht wirklich lebendig sein, es wäre eine tote Marionette. Nein, erst wenn eine Figur auf den Autor zutritt, sich selbst einführt und ihre Geschichte erzählt (nicht anders herum), erst dann weiß der Autor, dass der Roman alles hat, was er braucht.

 

Eliza’s Bücherparadies: Wann zieht man eine Fortsetzung in Betracht, von Anfang an oder erst später?

Maria W. Peter:  Unterschiedlich. Bei meinen Römerkrimis sind die Bücher ganz klar als Serie angelegt. Ich plane immer schon mindestens ein Buch voraus (Band 4 ist in Arbeit). Aber natürlich kann es auch immer mal vorkommen, dass Leser oder Verlag um die Fortsetzung eines Romans bitten, der vom Autor ursprünglich als eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte gedacht war.