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1483. Die junge Luzia Gassner kehrt mit gemischten Gefühlen als neue Hebamme in ihre Heimatstadt Ravensburg zurück. Einerseits freut sie sich auf ihren Onkel Basilius, einen Apotheker, andererseits sind ihre Erinnerungen an ihre Kindheit keineswegs angenehm. Als uneheliches Kind mit roten Haaren wurde sie als »Kind der Wollust« verschrien und vom Kaplan trotz ihrer Wissbegier in der Schule schikaniert. Bei ihrer Arbeit verlässt sie sich nicht auf Gebete, sondern auf Kräuterheilkunde und ihren medizinischen Sachverstand. Damit fordert sie jedoch den Hass des mächtigen Kaplans Grumper heraus. Als ein Unwetter die Stadt verwüstet und die Einwohner von Hungersnot und Pest heimgesucht werden, ergreift Grumper die Gelegenheit, Luzia der Hexerei zu bezichtigen … (Quelle: http://www.dtv.de)

Es sind sicherlich schon viele Romane über die Hexenverfolgung geschrieben worden, doch dieser Roman ist mit Sicherheit nicht einer zu viel, er hat seine volle Berechtigung, denn er ist glaubhaft, weil er nichts beschönigt und dennoch die Hoffnung aufrechterhält, dass nicht alles schlecht ist in dieser Welt.
Besonders gut hat mir der Plot des Romans gefallen, denn eigentlich wird nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern gleich mehrere. Sicherlich ist Luzia die unbestrittene Hauptfigur, dennoch nimmt der Leser auch Anteil an den Schicksalen der anderen handelnden Figuren. Des Weiteren möchte ich erwähnen, dass es der Autorin sehr gut gelingt die Zeit des 15. Jhd. lebendig werden zu lassen. Man erkennt die akribische Arbeit und die fundierte historische Recherche zwischen den Zeilen.

Die Autorin hat im Gespräch eingeräumt, dass ein fehlendes Personenregister auf ihre Kappe geht, dass aber sowohl eine Karte, als auch ein historisches Nachwort vom Verlag ausdrücklich nicht gewollt wurde (Erstveröffentlichung bei Hoffmann und Campe), sehr schade. Denn hätte ich nicht das Glück gehabt dieses Buch in einer Leserunde mit Autorenbegleitung lesen zu dürfen (Danke nochmals für das Leseexemplar), wäre mir manche Hintergrundinfo sicherlich durch die Lappen gegangen. Aber ein Autor der sein erstes Buch veröffentlichen will, muss mit Sicherheit den einen oder anderen Kompromiss eingehen, bevor sein Buch in den Buchhandlungen erhältlich ist.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen. Die Seiten fliegen nur so dahin, man fühlt sich gut unterhalten und fiebert mit den Figuren mit, ohne dass allzu große Längen in dem Roman den Spaß am Lesen verderben.

Zwei kleine Kritikpunkte habe ich allerdings: Erstens werden ein klein wenig zu viele Klischees bedient, sicherlich hatten Rothaarige es zur Zeit der Hexenverbrennung besonders schwer, dass ist historisch nicht von der Hand zu weisen, aber warum muss Luzia auch noch eine schwarze Katze haben? Zweiter Kritikpunkt: Die Figuren, die die ausgemachten Bösewichte in diesem Roman sind, erleben eine tiefschwarze Zeichnung. Es gibt eine klassische Rollenverteilung zwischen gut/weiß und böse/schwarz. Ich hätte mir hier mehr Facetten und Abstufungen gewünscht, denn kein Mensch ist nur gut oder böse, wir haben alle unsere Fehler und Schwächen 😉

Alles in Allem aber ein sehr lesenswerter Roman über die Hexenverfolgung in Ravensburg. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung, denn für mich war dieses Debüt sehr lesenswert und ich glaube, dass die Autorin mit weiteren Büchern wachsen wird und sie auch noch kleine Fehler ausmerzen kann. Vielen Dank für die schönen Lesestunden.

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