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Teresa Revay zählt zweifellos zu meinen Lieblingsautorinnen, ihre Romane begeistern mich immer wieder aufs Neue, da sie es immer wieder schafft die persönlichen Schicksale ihrer Protagonisten mit dem Weltgeschehen zu verweben. Diesmal entführt uns die Autorin in die Stadt zwischen Okzident und Orient: Istanbul zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Auch Istanbul hat unter dem ersten Weltkrieg gelitten, die Stadt ist von den verschiedenen Siegermächten besetzt, so muss Leyla und ihre Familie, die noch in einem traditionellem Harem lebt, einen französischen Kommandanten sowie seine Frau und Tochter aufnehmen. Hier prallen sprichwörtlich Welten aufeinander. Selim, Leylas Mann, arbeitet weiter für die türkischen Machthaber, die versuchen eine gütliche Lösung mit den Besatzungsmächten auszuhandeln, wohingegen Orhan, Leylas Bruder, zu den Nationalisten zählt, die offen den Widerstand proben.
Leyla sitzt zwischen den Stühlen, entscheidet sich aber dann dennoch für den Widerstand, nicht weil sie ihrem Mann in den Rücken fallen will, sondern weil sie daran glaubt, dass dies das Beste für ihr geliebtes Land ist. Leyla ist anders als viele Frauen, sie steht nicht skeptisch der „neuen“ Welt gegenüber, sie liest Literatur aus aller Welt und bildet sich ihre eigene Meinung. Dennoch ist sie oft hin und hergerissen zwischen ihrer Pflicht als Mutter von Ahmet und Perihan, ihrer Stellung gegenüber ihrer Schwiegermutter Gülbahar und ihrem Willen neue Wege zu beschreiten.
Durch ihren Bruder lernt sie den Deutsche Hans Kästner kennen, für beide ist es Liebe auf den ersten Blick. Doch beiden ist klar, dass es ihre Liebe nicht geben darf, zu groß sind doch die Unterschiede in den Welten, in denen sie leben. Dennoch können die beiden nicht ohne einander, zu groß ist die Sehnsucht und die Liebe. Ein Kampf zwischen den Kulturen, ein Kampf zwischen Verantwortung und Liebe.
Teresa Revay hat meiner Meinung nach wieder einen tollen Roman geschrieben, der die Zeit in einem Land gelungen einfängt, sodass „Kopfkino“ garantiert ist. Die politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge werden gut dargestellt, dennoch lohnt sich für den interessierten Leser durchaus ein Blick in ein Lexikon, um auch die letzten Anspielungen und die ganze Bandbreite dieser Dramatik zu verstehen. Für mich persönlich stand nicht so sehr die Liebesgeschichte im Mittelpunkt des Romans, sondern eher die Persönlichkeit der Leyla, sie ist einfach eine tolle Frau, die mutig und couragiert ist, um für ihre Träume zu kämpfen.
Von mir gibt es eine volle Leseempfehlung für alle, die gerne Romane lesen, um in eine vergangene unbekannte Welt einzutauchen, aber auch geschichtlich und politisch interessiert sind. Natürlich kann man das Politische auch „überlesen“ und sich ganz auf die Liebes- bzw. Familiengeschichte konzentrieren, jeder so wie er mag 😉 Für mich persönlich rundet es den Roman aber ab und macht ihn zu einer wahren Bereicherung.

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