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Ein Roman so düster wie die dunkelsten Wälder Englands, eine Gouvernante mit einem großen Herzen und ein kleines Mädchen, das die Schatten der Vergangenheit besiegen muss…

Die junge Gouvernante Charlotte verlässt Berlin um in England bei der Familie Clayworth eine neue Stelle anzutreten. Sie soll sich dort um die achtjährige Emily kümmern, die sehr unter dem Verlust ihrer kürzlich verstorbenen Mutter leidet. Doch Charlotte merkt sehr bald, dass sie Emily nicht helfen kann, wenn sie nicht genau weiß, was mit deren Mutter wirklich geschehen ist. Sir Andrew hat allen Bediensteten ein Redeverbot über seine verstorbene Frau Lady Ellen auferlegt, nichts soll die kleine Emily an ihre Mutter erinnern. Doch kann ein Kind den Tod der Mutter verarbeiten, wenn diese tot geschwiegen wird? So versucht Charlotte auf eigene Faust herauszufinden, wer Lady Ellen war und warum Emily immer wieder nachts von Albträumen geplagt wird. Zur Hilfe kommt ihr der Journalist Tom, der in Sir Andrews Auftrag herausfinden soll, ob Emily von übersinnlichen Phänomenen heimgesucht wird.

Susanne Goga hat einen Roman geschrieben, der die Welt des englischen Adels und die alten Herrenhäuser vor unseren inneren Augen zum Leben erweckt. Es ist sehr erstaunlich, wie die Autorin mit nur wenigen Worten es schafft eine Atmosphäre zu beschreiben, dass man schon nach wenigen Minuten Gänsehaut bekommt. Die Fans von Jane Austen und Downton Abbey werden hier sicher auf ihre Kosten kommen.

Besonders gut an diesem Roman hat mir die Erzählweise gefallen, die beiden Hauptfiguren Tom und Charlotte bekommen den Raum, den sie benötigen, um sich zu entfalten. Sie haben Ecken und Kanten, Ängste und Zweifel, Stärken und Schwächen und genau dies macht sie für den Leser so greifbar. Man erfährt sehr viel über das „Innenleben“ der einzelnen Personen, was ihre Zerrissenheit und ihren Kampfeswillen noch unterstreicht. Charlotte und Tom ergänzen sich in einer ganz außergewöhnlichen Weise. Und wer jetzt Angst hat, dass dieser Roman in eine „Schnulze“ abdriftet, den kann ich guten Gewissens beruhigen. Als Liebesroman kann man dieses Buch nun wahrlich nicht betiteln.

Die DeLiA-Preisträgerin Susanne Goga hat es geschafft mich zu überraschen. Ich kannte bisher von ihr nur die historischen Romane, doch nun sind auch ihre Kriminalromane bei mir Pflichtlektüre, denn die Auflösung dieses „Falls“ hat mir ausgesprochen gut gefallen, sodass ich diese auch auf jeden Fall noch lesen möchte. Denn wenn ich eines mag, dann ist es, dass der Autor / die Autorin mich als Leser miträtseln lässt und mir nicht irgendwann eine „Lösung“ präsentiert, die ich vorher nicht erahnen konnte. Als Leser werde ich gerne während des Romans gefordert und kaue auch mal gerne Fingernägel, weil ich mir den Kopf zerbreche, was die Lösung des Rätsels sein könnte.

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