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Der zweite Fall von Dr. Otto Sanftleben hält für das Leserherz alles bereits was es sich nur wünschen kann: Spannung bis zur letzten Seite, das unbeschreibliche Flair Berlins, ein durchdachter und ausgeklügelter Kriminalfall, verpackt in einer angenehmen und anspruchsvollen Sprache.

Wenn man die erste Seite aufschlägt, denkt man, man würde sich in Berlin wiederfinden, doch weit gefehlt, im Prolog entführt uns Tim Pieper erst einmal in den Urwald Uruguays. Die Schilderungen sind dramatisch und fesseln den Leser von der ersten Seite an. Im Mittelpunkt steht eine Vergewaltigung, die Folge ist die Ansteckung mit Syphilis…

Berlin 1896: Im Zoologischen Garten in Berlin wird die Leiche eines jüdischen Zeitungsunternehmers gefunden, die Leiche ist grauenhaft zugerichtet, es steht sofort fest, hier muss ein skrupelloser Mörder am Werk gewesen sein. Schon bald ist klar, dass dieser Mord ein Ritualmord war, der wie wir später erfahren, in den germanischen Sagen verankert ist. Commissarius Funke und Dr. Otto Sanftleben ermitteln in einem Sog aus Antisemitismus, Nationalismus und Hass. Wie dies zum Prolog passt wird schnell klar…

Mehr möchte ich gar nicht über den Inhalt verraten, denn die gut 250 Seiten sind so schnell um, dass ich mir sehnlichst gewünscht habe, dass Buch möge noch ein paar Seiten mehr haben. Herausheben möchte ich aber auf jeden Fall noch drei Dinge:

Zum Einem hat mich an diesem Roman die Sprache beeindruckt. Tim Pieper schafft es diesem Roman einen sehr flüssigen Schreibstil, gepaart mit einer gehobenen Ausdrucksweise zu verpassen, ohne dass dieser Roman in die Unverständlichkeit abdriftet oder für den Leser schwer zu lesen ist. Meiner Meinung nach hat er die richtige Mischung gefunden, um Anspruch und Leichtigkeit zu verbinden.

In diesem Roman sticht auch der konzeptionelle Aufbau des Romans hervor. Die ständigen Schauplatzwechsel, die verschiedenen Perspektiven der Protagonisten und der straffe Aufbau erhöhen unweigerlich die Spannung und fesseln den Leser, sodass dieser das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Dabei wird es jedoch nie unübersichtlich oder verwirrend, denn alle Handlungstränge vereinen sich gekonnt im großen Schlussakkord.
Ebenso erwähnenswert ist meiner Meinung nach die Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere. Wer Otto und seine Getreuen schon aus dem ersten Band kennt, dem wachsen sie in diesem Buch noch weiter ans Herz. Jeder Charakter ist so fein ausgearbeitet, dass er zwischen den Seiten regelrecht lebendig wird. Die Figuren sind sehr liebevoll und einzigartig gezeichnet, sodass man auch hierfür nur ein großes Kompliment an den Autor aussprechen kann.
Mein Dank gilt Tim Pieper für die spannenden Lesestunden und die Begleitung der Leserunde. Ich hoffe sehr, dass Otto noch einmal ermitteln darf 🙂

P.S.: Meine persönliche Lieblingsszene ist die Regatta mit dem finalen Schlussspurt von Otto. Ein wahres Highlight! Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie verstehen warum. 🙂 Ich empfehle Ihnen aber auf jeden Fall den ersten Band „Mord unter den Linden“ zuerst zu lesen, denn so verstehen Sie einige Dialoge noch besser und erkennen die feinen Pointen, die der Autor eingebaut hat.

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