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„Nachtauge“ ist ein Roman wie ich ihn noch nicht gelesen habe. Ein Roman der unter die Haut geht, zutiefst berührt ohne jemals unangemessen zu sein.

Titus Müller erzählt auf eine unnachahmliche Weise die Geschichte der Agentin „Nachtauge“, die für die Deutschen zur Zeit des zweiten Weltkriegs in England spioniert, um ihre Landsleute zu warnen. Eric ist der Super-Agentin auf den Fersen und versucht sie aufzuhalten, um die englischen Angriffe auf deutsche Städte nicht zu gefährden. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt: Welche Informationen kann Nachtauge noch weitergeben? Was weiß sie wirklich über die Operationen? Wer ist ihr Informant?

Der zweite Erzählstrang der Geschichte spielt in Deutschland, genauer gesagt in Neheim. Georg ist Lagerverwalter eines Lagers für osteuropäische Frauen, die verschleppt worden sind, um in einer Munitionsfabrik zu arbeiten. Dort verliebt er sich in Nadjeschka, Nadjeschka ist klug und will keine stupide Arbeit verrichten, ihr ist es ein Gräuel Munition herzustellen, die vielleicht ihre Landleute töten könnte. Die Liebe der Beiden steht unter keinem guten Stern, denn auf „Rassenschande“ steht der Tod.
Im Fokus von all dem steht der Angriff der englischen Luftwaffe auf die Möhnetalsperre. Welche Auswirkung wird dies auf das Leben der handelnden Figuren haben? Diese Frage ist es, die den Leser antreibt, Zeile für Zeile regelrecht zu inhalieren und in sich aufzunehmen.

Besonders bewegt hat mich an diesem Roman die Stimmung in der Geschichte. Titus Müller hat seine Erzählweise auf erstaunliche Weise dem Plot angepasst, kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Soviel wie nötig, sowenig wie möglich. Die unterschiedlichen Standpunkte der Protagonisten werden sehr gut herausgearbeitet, ohne jemals eine Bewertung dessen vorzunehmen, was sie tun oder sagen.

Das Buch ist teilweise beklemmend und man hat das Gefühl, dass sich einem ein Kloß im Hals bildet. Aber der zweite Weltkrieg hat auch seine menschlichen Seiten gehabt und das in diesem Roman ebenfalls zu erfahren, tut beim Lesen ungemein gut.

Ein tief beeindruckender Roman, der einen aufgewühlt und fix und fertig zurücklässt. Ein Roman der einem sehr plastisch die Situationen vor Augen führt, in denen die Menschen in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ausgesetzt waren. Aber gleichzeitig ist dieser Roman auch ein Apell, dass man auch heute noch darüber lesen, schreiben und sprechen sollte, denn kein Mensch hat es verdient so behandelt zu werden, wie einige Menschen damals behandelt worden sind.

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