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Hamburg Anno 1269: Die Stadt trauert um den großen Ratsherrn Conradus von Holdenstede. Doch der Schein trügt, denn die Ersten sehen in seinem Tod die Chance ihren Einfluss in der Stadt zu vergrößern und ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

Zwischen Conradus‘ Sohn Albert und der schönen Dänin Ragnhild war es Liebe auf den ersten Blick. Ragnhild hat eine schwere Stellung in der Stadt, da man ihr immer noch das Verhalten ihrer Landsleute anlastet. Auch durch ihre Schwangerschaft hat es sich nicht gebessert, eher noch verschlechtert. Alberts Bruder Conrad versucht es seinem Bruder so schwer wie möglich zu machen, denn bis zu Alberts 25. Lebensjahr sollen die Brüder gemeinsam das Handelshaus führen. Doch Albert hat fast keinen eigenen Handlungsspielraum und steht „unter der Fuchtel“ seines Bruders. Luburgis, Conrads Ehefrau, macht Ragnhild im Haus das Leben schwer. Sie wird letztlich zur Ausgestoßenen ihrer eigenen Familie.

Kurz vor seinem 25. Geburtstag schickt Conrad seinen Bruder nach Flandern, er soll wichtige Tuche nach Hamburg bringen. Viele im Rat sind dagegen, da der Winter kurz bevorsteht. Albert sieht es allerdings als seine einzige Chance, sich endlich von seinem Bruder loszusagen und auf eigenen Füßen zu stehen. Da passiert das Unfassbare, die Kogge Alfreds sinkt auf der Heimreise. Ragnhild gerät immer mehr zwischen die Fronten zwischen Macht und Geld. Heimtückischer Verrat und Anfeindungen machen ihr und den Kinder das Leben schwer. Conrad wird zu ihrem Vormund bestimmt. Als ganz überraschend ein Überlebender der Schiffkatastrophe auftaucht, wird Alberts Tod in Frage gestellt. Hat auch er überlebt? Nun dreht sich das Rad aus Hass und Machtspielen noch schneller. Ragnhild trifft eine folgenschwere Entscheidung, um die Wahrheit über ihrem geliebten Albert herauszubekommen.

Joël Tan hat einen echten historischen Schmöker geschrieben. Ein Buch, das durch sein fein gewobenes Geflecht aus Intrigen, Hass, aber auch Liebe und Freundschaft besticht. Allerdings ist es zwischendurch ein klein wenig langatmig, einhundert Seiten weniger hätten dem Roman mit Sicherheit nicht geschadet, sondern eher noch mehr Tempo in diese spannende Geschichte gebracht. Am Anfang wird sehr viel aus der Sicht eines auktorialen Erzählers erzählt und es werden nur wenige Dialoge in den Text eingebaut. Diese Passagen lesen sich etwas zäh, man ist versucht diese Textstellen quer zu lesen. Im Laufe des Romans legt sich dies aber auch, oder man hat sich daran gewöhnt, dass die Autorin so zu erzählen pflegt 😉

Wer gerne einen umfangreichen und tiefgründigen historischen Roman liest wird hier mit Sicherheit fündig, denn historisch gibt es hier überhaupt nichts zu meckern. Die vielen auftretenden Personen sind gut gezeichnet, besonders die Familie Hohenstede überzeugt durch gelungene Charaktere. Den zweiten Band dieser Saga „Die Tochter des Ratsherrn“, wo die Geschichte von Runa, Alberts und Ragnhilds Tochter erzählt wird, werde ich auf jeden Fall lesen. Vielleicht hat der Schreibstil der Autorin die kleinen Kinderkrankheiten ausgestanden und wir dürfen auf eine spannende und gelungene Fortsetzung hoffen.

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