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Beate Sauer zählt zu den bekanntesten Autorinnen der deutschsprachigen Szene der historischen Romanautoren. Allerdings muss ich eines vorweg nehmen, für mich war es bisher der schlechteste Roman von Beate Sauer 😦 Dies ist kein „grottenschlechter“ Roman, allerdings stören mich ein paar Punkte an diesem Roman.

In dem Roman „Am Hofe der Löwin“ geht es um die Thronstreitigkeiten zwischen Mathilda und Stephan in England. Hauptfigur ist aber die junge Aline, die Mathilde aus der ungerechtfertigten Leibeigenschaft befreit und als ihre Dienerin einstellt. Mathilda, die Tochter Henrys I, setzt alles daran, den englischen Thron zu besteigen. Doch viele sind gegen eine Königin auf dem englischen Thron, allen voran ihr Vetter Stephan. Aline steigt von der Dienerin Mathildas zu ihrer engsten Vertrauten auf. Sie verliebt sich in Ethan, einer der Gefolgsleute Stephans und damit scheint ihr Unglück beim Ausbruch des Krieges besiegelt.

Zwar stimme ich Beate Sauer in vollster Weise zu, dass ein historischer Roman kein Sachbuch ist (siehe Nachwort). Der Autor hat bestimmte schriftstellerische Freiheiten, aber wie weit darf er gehen? Ich persönlich finde, dass Frau Sauer sich in diesem Falle zu viele Freiheiten genommen hat, da sie ein zentrales Thema dieses Romans frei erfunden hat und damit vor allen Dingen Königin Mathilda in einem ganz anderen Licht zeichnet. Beate Sauer dichtet Mathilda eine inzestuöse Beziehung zu ihrem Halbbruder Robert an. Die Beziehung lenkt Mathildas ganzes Handeln in der Auseinandersetzung mit Stephan. Die ist meiner Meinung nach ein zu schwerwiegender Eingriff, da es einen sehr wesentlichen Teil der Handlung in einem falschen Licht erscheinen lässt. Ich habe zum Beispiel nichts dagegen, wenn bestimmte Ereignisse im Zuge der Dramaturgie vorverlegt oder später datiert werden, diese stellen einen nicht so gravierenden Eingriff in die Gesichte dar, wie es Frau Sauer in diesem Fall gemacht hat. Wenn man sich nicht ein bisschen in der englischen Geschichte auskennt, bleibt Mathilda immer die Frau, die mit ihrem Bruder eine Inzest-Beziehung hatte und das hat Mathilda wirklich nicht verdient.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Zeichnung der „eigentlichen“ Protagonisten Aline. Ich finde sie bleibt etwas blass, im Gegensatz zu Mathilda. Mathilda wird als die herrschsüchtige und zickige Königstochter dargestellt. Aber sie hat auch ihre mutigen Seiten und kümmert sich aufopferungsvoll um Aline, als diese schwer erkrankt. Mathilda hat Facetten einer lebendigen Persönlichkeit. Aline wird durchaus als eigenwillig und störrisch dargestellt, doch hätte man auch aus ihrem Charakter noch mehr machen können, sie bleibt vor allem in ihrer Beziehung zu Ethan sehr blass.

Alles in Allem ein gut zu lesender Roman, der nur so dahinfliegt, wenn man von den beiden großen Kritikpunkten einmal absieht. Wer die „ungenaue“ englische Geschichte verschmerzen kann, wird sicherlich seinen Spaß an diesem Buch haben.

3 von 5 Sternen

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