Ulrike Renk, Die Jahre der Schwalben

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Über das Buch:
Verlorene Heimat – eine starke junge Frau zwischen Liebe und Verlust.
Kurz nach ihrer Hochzeit erfährt Frederike, dass ihr Mann eine schwere Krankheit hat. Er geht in ein Sanatorium, und Frederike hofft auf seine Genesung. Doch als er stirbt, steht Frederike vor den Trümmern ihres Lebens. Allein und ohne eigenes Vermögen muss sie das Gut mit der großen Trakehnerzucht bewirtschaften. Jahre der Verzweiflung und Einsamkeit folgen, bis sie Gebhard von Mansfeld kennenlernt. Ganz langsam gelingt es ihr, wieder an das Glück zu glauben. Doch dann kommt Hitler an die Macht, und plötzlich weiß Frederike nicht, ob sie und ihre Liebsten noch sicher sind.
Die große emotionale Familiensaga aus Ostpreußen, die auf wahren Begebenheiten beruht. (Quelle: http://www.aufbau-verlag.de)

Über die Autorin:

Ulrike Renk, Jahrgang 1967, studierte Literatur und Medienwissenschaften und lebt mit ihrer Familie in Krefeld. Im Aufbau Taschenbuch liegen ihre Romane „Die Seidenmagd“, „Die Heilerin“, „Die Frau des Seidenwebers“ und „Das Lied der Störche“, die Australien-Saga „Die Australierin“, „Die australischen Schwestern“ und „Das Versprechen der australischen Schwestern“ sowie die Ostreußen-Saga „Das Lied der Störche“ und „Die Jahre der Schwalben“ vor. Außerdem erschienen ihre Eifel-Thriller „Echo des Todes“ und „Lohn des Todes“. Mehr Informationen zur Autorin unter http://www.ulrikerenk.de (Quelle: http://www.aufbau-verlag.de)

Meine Meinung:

Seit ich die Australien-Saga von Ulrike Renk verschlungen habe, sind ihre Bücher absolutes Pflichtprogramm für mich und was soll ich sagen, auch ihr neustes Buch hat mich nicht enttäuscht. Aber der Reihe nach: Das Cover ist gut gestaltet und drückt sehr gut eine gewisse Sehnsucht aus, verweist aber auch gleichzeitig auf den Haupthandlungsort der Geschichte: ein Gut mit Landwirtschaft. Leider verrät der Klappentext wieder viel zu viel ich weiß wirklich nicht was die Verlage sich dabei denken, ich kann über solch ein Vorgehen nur den Kopf schütteln. Nimmt uns so ein Text, der schon vieles bis weit in die Hälfte des Buches verrät, viel Spannung und Spaß am Lesen.
In diesem Roman steht Freddy, die wir ja bereits in Band 1 der Ostpreußen-Saga haben kennen und lieben gelernt, im Mittelpunkt. Es geht um die Führung es großen Gutes und wir bekommen als Leser einen hervorragenden Einblick, wie der Alltag einer Gutsherrin aussieht. Zweites großes Thema ist die politische Entwicklung in Deutschland, das Ende der Weimarer Republik, die Machtergreifung Hitlers, das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg.
Freddy ist eine wunderbare, mutige und auch starke Frau, ohne solche Frauen wäre diese Zeit mit Sicherheit noch schwieriger geworden. Sie ist eine Sympathieträgerin, die man als Leserin sofort ins Herz schließt. Sie denkt eigenständig und bildet sich ihre eigene Meinung, das mag ich so an ihr, sie hat keine Vorurteile, sondern geht offen auf die Menschen zu, hört hin und versetzt sich in ihre Lage.
Besonders bewegt hat mich das Schicksal der Familie von Aaken. Ob wir von Ihnen noch einmal etwas Hören? Mich würde ein Wiedersehen, wenn es auch noch so ein kleines ist, freuen. Negativ war für mich die Entwicklung von Thea, Freddy’s beste Freundin und anschließender Schwägerin. Sicherlich steht sie für einen ganz bestimmten Typus Frau in dieser Zeit, am Anfang noch das Leben in vollen Zügen genießend, sich aber nicht wirklich abfindend mit dem Leben auf einem Gut, wird sie zu einer Person, die sich blenden lässt und die sehr egoistisch ist.
Der Roman wird chronologisch erzählt, allerdings erleben wir als Leser einige Zeitsprünge und Zeitraffungen; dies auch nicht immer zu Beginn eines neuen Kapitels, sondern auch manchmal mehrmals innerhalb eines Kapitels. Die Zeitangaben vor den Kapiteln helfen aber sehr bei der Orientierung.
Der Roman ist logisch aufgebaut und stellt Freddy‘s Denken und Handeln in den Vordergrund, es ist ihr Buch. Dabei bleibt diese Figur für den Leser nicht ein Buch mit sieben Siegeln, sondern man lernt im Laufe des Lesens eine gute Freundin kennen, deren Handeln nachvollziehbar ist. Weiterlesen

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Tilman Röhrig, Die Flügel der Freiheit

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Über das Buch:
Es hat geschneit. Auf den Wehrmauern liegt weißer Schimmer, als Barthel die Wartburg erreicht. Im Auftrag seines Meisters Lucas Cranach soll er Briefe an Martin Luther überbringen. Wie befürchtet erhält Luther Nachricht, dass radikale Kräfte seine Reformation gefährden. Deshalb will er so schnell es geht nach Wittenberg zurückkehren. Während es ihm dort gelingt, seine Schriften und Predigten endlich praktisch umzusetzen, erstarken seine Gegenspieler wieder. Vor allem sein einstiger Weggefährte Thomas Müntzer begibt sich auf einen riskanten Weg, er fordert den Aufstand gegen die weltliche Obrigkeit. Ein Weg, der viele Menschen in größte Gefahr bringt. Nicht zuletzt den Gesellen Barthel und seine Liebste Dorothea. Die Lage spitzt sich mehr und mehr zu. Luther beschließt, den Kampf gegen Müntzer aufzunehmen. (Quelle: http://www.piper.de)

Über den Autor:
Tilman Röhrig, geboren 1945, lebt in der Nähe von Köln. Der ausgebildete Schauspieler ist seit über vier Jahrzehnten als freier Schriftsteller tätig. Die größten Erfolge brachten ihm seine historischen Romane, die allesamt Bestseller und vielfach übersetzt wurden. Für sein literarisches Werk erhielt der Autor, dessen lebendige Lesungen begeistern, zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Großen Rheinischen Kulturpreis. (Quelle: http://www.piper.de)

Meine Meinung:
Ich wollte zum Reformationsjubiläum unbedingt ein „Luther-Buch“ lesen, meine Wahl fiel auf das Buch von Tilman Röhrig, ein Autor vieler historischer Romane, von dem ich bis dato allerdings noch nichts gelesen hatte. Somit war ich auf dieses Buch sehr neugierig und war gespannt was mich erwartete. Das Cover des Buches ist meiner Meinung nach sehr ausdrucksstark, zum einem sieht man im oberen Teil den Druck eines Kupferstichs der Stadt Wittenberg. Wofür die Biene und die Tulpen im unteren Coverabschnitt stehen, wird erst im Verlauf des Romans klar, sie haben ebenso eine tiefere Bedeutung wie der Titel.
Im Roman geht es hauptsächlich um die Auseinandersetzung zwischen Martin Luther und Thomas Müntzer. Einst Freunde, aber später bittere Gegner im Kampf um einen in ihren Augen wahren glauben. Katharina von Boras Weg wird in die Geschichte mit eingebettet, ebenso die Handlung um die beiden fiktiven Charaktere Barthel und Dorothea, genannt Dorlein. Ich muss gestehen, dass mich ihr Schicksal am meisten bewegt hat und ich mit ihren am meisten gelitten und gehofft habe.
Sowohl Luther, als auch vor allen Dingen Thomas Müntzer waren mir zuweilen zu fanatisch, zu von sich selbst überzeugt, zu herrisch. Es mag sicherlich so sein, dass diese beiden Figuren auch als historische Figuren so gehandelt haben, doch bisweilen hätte ich sie am liebsten geschüttelt und zur Vernunft gebracht. Das Schicksal von Barthel und Dorlein wird mit dem historischen, einwandfrei recherchierten Kontext verwoben, sodass beide Geschichten zu einer Einheit werden und man das eine oder andere Mal vergisst was Fiktion und was Wahrheit war. Weiterlesen

Isabelle Broom, Wintersterne

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Über das Buch:
Eine Reise ins magische, verschneite Prag: Für Megan, Hope und Sophie ist das die perfekte Gelegenheit, um vor ihren Problemen wegzulaufen. Sie lernen sich in einer Hotelbar kennen, und obwohl die drei Frauen völlig unterschiedlich sind, verstehen sie sich auf Anhieb. Gemeinschaftliche Streifzüge durch die winterlich verzauberte Stadt konfrontieren sie mit ihrer Vergangenheit und führen sie zu besonderen Begegnungen. Und vor allem zu sich selbst. (Quelle: http://www.randomhouse.de)

Über die Autorin:
Isabelle Broom, geboren 1979 in Cambridge, hat Medienwissenschaft an der University of West London studiert und arbeitet als Redakteurin und Autorin. «Wintersterne» ist ihr zweiter Roman im Diana Verlag. (Quelle: http://www.randomhouse.de)

Meine Meinung:
„Möge das Beste in deiner Vergangenheit das Schlimmste in deiner Zukunft sein.“
Was für ein wundervoller Satz, was für ein berührender Wunsch und so treffend in diesem Roman und für dieses Buch. Isabelle Broom hat ein Buch geschrieben, welches man so schnell nicht vergisst. Allein schon das Cover ist wundervoll: schlicht, gemütlich und eine tolle Farbgebung, dazu ein kurzer knackiger Klappentext und meine Neugier war geweckt.
Sophie, Hope und Megan sind die drei weiblichen Hauptfiguren dieses Romans und mit ihnen hat die Autorin Charaktere erschaffen, mit denen sich jede Frau ein klein wenig identifizieren kann. Alle drei haben einen langen Weg hinter sich bevor sie in Prag aufeinander treffen und die Stadt wird ihr Leben verändern oder vielmehr das dort Prag passiert bzw. nicht passiert.
Drei Frauen, drei dramatische Liebes- und Lebensgeschichten mit dem Ziel zu lieben und geliebt zu werden, aber manchmal steht bis zur großen Liebe ein langer und steiniger Weg bevor.
Es geht um Lebenspläne, um Hoffnungen, um Ängste, um Wagnisse und um die Familie. Ein Roman der sich in Teilen wie ein Reiseführer liest, weil wir in diese Stadt eintauchen, dann aber wieder eine geballte Ladung Leben enthält, die überall auf dieser Welt passieren könnte.
Der Roman wird größtenteils stringent mit einigen Rückblenden erzählt. Als Leserinnen nehmen wir abwechselnd die Perspektiven von Hope, Sophie und Megan ein. Durch diese ständigen Wechsel gewinnt der Roman mit der Zeit immer mehr an Fahrt, aus der Hand legen kann man das Buch nur schwerlich an der ersten vollkommen überraschenden Wendung. Aber diese Wendung soll nicht alleine bleiben, mindestens eine Zweite (für einige auch eine Dritte) wird folgen, sodass man bis kurz vor Ende nicht weiß, ob ein Happy-End für alle drei Frauen geben wird. Weiterlesen

Petra Schier, Das Gold des Lombarden

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Über das Buch:
Köln, 1423. Aleydis de Bruinker ist noch nicht lange mit dem lombardischen Geldverleiher Nicolai Golatti verheiratet, als dieser unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt. Man findet ihn erhängt – hat er sich das Leben genommen? Aleydis will das nicht glauben. Und tatsächlich: Sie entdeckt Male, die auf einen Mord hinweisen.
Potentielle Täter gibt es genug, Golatti hatte viele Feinde. Die junge Witwe stellt Nachforschungen an. Zu Hilfe kommt ihr dabei ausgerechnet Gewaltrichter Vinzenz van Cleve, dessen Vater der größte Konkurrent Golattis war. Wider Willen beginnt sie van Cleve zu vertrauen, der der Wahrheit verpflichtet scheint und doch ein düsteres Geheimnis hegt. Schon bald schwebt Aleydis in großer Gefahr, und es sieht aus, als sei ihr einziger Verbündeter in den Mord verstrickt …
(Quelle: http://www.rowohlt.de)

Über die Autorin:
Petra Schier, geboren 1978, lebt mit Mann und Hund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet seit 2003 als freie Autorin.
Ihre sehr erfolgreichen historischen Romane erscheinen im Rowohlt Verlag.
Beliebt und ebenfalls sehr erfolgreich sind auch ihre romantischen Weihnachtsromane sowie Liebesromane, die bei Rütten & Loening, MIRA Taschenbuch sowie Weltbild verlegt werden.
Sie ist die Vorsitzende der Jury des DELIA-Literaturpreises und damit Mitglied des Vorstands der Autorenvereinigung DELIA.
Unter dem Pseudonym Mila Roth publiziert sie darüber hinaus verlagsunabhängig und erfolgreich verschiedene Buchserien.
(Quelle: http://www.petra-schier.de)

Meine Meinung:
Wer mir schon eine Weile lang folgt, der weiß, dass ich ein Fan von Petra Schier bin und ihre historischen Romane lese. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen der Schauplatz ihrer Bücher, ob nun das historische Aachen oder die „alte“ Stadt Köln, beide Städte kenne ich bestens und für mich ist es immer wieder interessant Parallelen zwischen der Vergangenheit und Gegenwart zu entdecken. Ein weiterer Grund ist die Personenzeichnung der Autorin, die mir (und auch vielen anderen Lesern) zusagt. Wer einmal ein Buch von Petra Schier gelesen hat der weiß, was ich meine 😉 Als es nun hieß Abschied von Adelina zu nehmen, war ich traurig, aber auch gleichzeitig gespannt auf den Auftakt der neuen Reihe und was soll ich sagen, Petra Schier hat mich auch diesmal nicht enttäuscht.
Das Cover des neuen Romans kommt in alter Manier daher, besonders schön finde ich die Goldprägung die dem Roman einen edlen Touch verleiht und das man das Gesicht der Hauptperson sehen kann. Der Klappentext ist gut geschrieben, er verrät zwar schon einiges aber nicht zu viel, sodass die Spannung erhalten bleibt.
In diesem Roman geht es vor allen Dingen um Wahrheit und Scheinwelten, um Lug und Trug, um das doppelte Spiel bzw. um das geheime Doppelleben von Aleydis Mann Nicolai. Die junge Witwe wird damit konfrontiert, dass ihr Ehemann nicht der Mann war, den sie glaubte geehelicht zu haben. Nein, es kommt noch viel schlimmer seine Verstrickungen gehen bis in die „Unterwelt“ und zu allem Überfluss hat er Aleydis auch noch als Alleinerbin eingesetzt.
Aus dieser unglaublichen Situation schafft es Petra Schier eine Figur zu entwickeln, die dem Leser ans Herz wächst. Eine Frau, die sich ihrer Schwachheit, aber auch ihrer Stärke bewusst ist. Aleydis ist klug und tüchtig, aber sie weiß auch, dass sie als Witwe nicht die gleichen Rechte hat wie ein Mann. Zudem lasten die Schatten der Vergangenheit ihres Mannes auf ihr, von denen sie nichts wusste und folglich muss sie sich mehr als einmal bewähren. Aleydis ist eine spannende, authentische und warmherzige Figur, vielleicht auch ein klein wenig naiv und gutgläubig. Sie ist nicht perfekt, ebenso wenig wie wir Menschen es sind und genau dies macht sie zu einer Identifikationsfigur.
Aber auch die anderen Figuren in diesem Roman und es sind einige, wenn man einen Blick in das Personenregister zu Anfang wirft, sind mit Sorgfalt gewählt und gezeichnet, sodass sich ein bunter Querschnitt durch die Gesellschaft abzeichnet. Besonders ans Herz sind mir Marlein und Ursel gewachsen, die beiden jungen Mädchen bringen einem beim Lesen einfach immer wieder zum Schmunzeln, sie bereichern das Geschehen, so wie Kinder unseren Alltag reicher machen.
Der Schreibstil der Autorin ist wie immer spannend, mitreißend und äußerst flüssig zu lesen. Als Leser hat man immer wieder das Gefühl durch die Zeilen zu fliegen. Dialoge und erzählende Passagen halten sich bei Petra Schier die Waage und in altbekannter Manier findet man bei einigen Dialogen auch immer mal wieder einen ironischen Unterton oder eine versteckte Andeutung.
Da dies der Auftakt einer neuen Reihe ist, werden natürlich nicht alles Spannungsbögen zu Ende erzählt, dies hatte ich auch nicht erwartet, dennoch lässt die Autorin mich äußerst gespannt zurück, denn der Mörder ihrer Mannes kann Aleydis mit Hilfe des Gewaltrichters überführen, ihre geschäftliche und auch private Zukunft hingegen bleibt weites gehendend ungewiss, gerade da Aleydis am Ende noch neue Verbündete kennen lernt.
Auch wenn Petra Schier mit Aleydis wieder eine weibliche Hauptfigur gewählt hat, so kann man doch sagen, dass dieser Roman beide Geschlechter anspricht. Durch den Gewaltrichter, aus dessen Sicht, neben der von Aleydis, das Geschehen erzählt wird, ist auch für die männlichen Leser eine gute und auch spanende bzw. widersprüchliche Figur von der Autorin geschaffen worden.
Ich kann diesen neuen Roman von Petra Schier wirklich nur empfehlen, denn er macht einfach Spaß!
Definitiv eines meiner Highlights in diesem Herbst! Eine ganz klare Lese- und Kaufempfehlung.
Vielen Dank an Petra Schier und den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Ich freue mich schon sehr auf die nächste spannende Geschichte um Aleydis!

3.2 Petra Schier und ihre Arbeit als Autorin

1. Autorin!? Schon immer ein Traumberuf oder stand als Kind etwas ganz anderes auf der Wunschliste? Wie kam es bei Ihnen zum Schreiben?

Ich habe schon als Kind geschrieben, anfangs Tagebuch, später als Teenager dann auch schon Kurzgeschichten und Versuche von Jugendromanen. Außerdem war ich eine extreme Leseratte. Während des Abiturs verfasste ich bereits meinen ersten historischen Roman, die „Urmutter“ der Kreuz-Trilogie („Die Eifelgräfin“, „Die Gewürzhändlerin“ und „Die Bastardtochter“), die viele Jahre später in vollkommen neu verfasster Form bei Rowohlt erschienen ist.
Mein mehr oder weniger heimlicher Traum war es also definitiv, einmal Schriftstellerin zu werden. Ich habe dann aber, weil man ja vernünftig sein soll, zunächst auf Lehramt (Grund- und Hauptschulen) studiert, später dann zu Literatur und Geschichte gewechselt, aber schon während des Studiums festgestellt, dass beides nicht wirklich zu mir passt. 2002/03 kam ich in Kontakt mit einem Verleger hier in der Eifel, der nach einer Lektorin suchte, und da habe ich spontan zugesagt. Ich wurde recht schnell das „Mädchen für alles“, denn das Verlagsteam war nur klein (5 Personen zu Spitzenzeiten). Dort habe ich von der Pike auf das Verlegen und alles Drumherum gelernt, und das empfinde ich heute noch als riesigen Vorteil vor allen KollegInnen, die nur die Autorenseite kennen. Einige Kinderbücher aus meiner Feder sind zu dieser Zeit auch entstanden und in Kooperation mit großen Verlagen wie (damals noch) Pabel Moewig und Urania erschienen.
Fast zeitgleich kam ich auch mit einem Literaturagenten in Kontakt, sodass ich bereits 2005 meinen ersten historischen Roman bei Rowohlt veröffentlichen konnte. Das Studium hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits auf Eis gelegt und später dann komplett abgebrochen, weil ich einfach wusste, dass ich am richtigen Ort angekommen war: dem Vollzeit-Schreiben. Denn so schön die Zeit beim Verlag Eifelkrone auch war, nach einigen Jahren war klar, dass dort für mich nur eine Zwischenstation sein würde auf dem Weg zu meinem eigentlichen Ziel, dem Leben als hauptberufliche Autorin.

2. Was war die Initialzündung zu Ihrem neuen Roman?

Das ist eine gute Frage, über die ich erst einmal eine Weile nachdenken musste. Eine Initialzündung kann man das vielleicht nicht nennen, denn dazu war der Übergang von mehreren Ideenansätzen zur Planung einer vierteiligen Reihe zu fließend.
Nach Abschluss meiner sechsteiligen Adelina-Reihe wollte ich zwar den Schauplatz Köln nicht verlassen, jedoch keine „zweite Adelina“ erschaffen, sondern etwas vollkommen Neues. Also habe ich in der Kölner Stadtchronik geblättert und mir Inspiration in den dortigen Einträgen gesucht. Was immer wieder ins Auge sticht, wenn man sich mit der Kölner Geschichte befasst, ist der „Kölsche Klüngel“, den es nicht nur heute gibt, sondern der im Grunde schon immer existierte. Das brachte mich auf die Idee, eine Geschichte zu schreiben, die genau unter dieser Prämisse steht, also dem Klüngel, den Intrigen, dem Gemauschel, das auch im 15. Jahrhundert in Köln an der Tagesordnung war. Außerdem reizte es mich, über eine Frau zu schreiben, die zu jener Zeit glücklich verheiratet ist, dann aber nach dem Tod ihres Gemahls erfahren muss, dass er in Wahrheit ein ganz anderer Mensch gewesen ist, als sie und ihre Familie geglaubt haben. In meinem Roman muss die Protagonistin Aleydis sich nicht nur damit auseinandersetzen, dass ihr Gemahl womöglich ein skrupelloser Verbrecher gewesen ist, sondern auch mit seinem Erbe fertigwerden: einer Schattenwelt, von der sie zuvor nicht die geringste Ahnung hatte. Aus der anfänglichen vagen Idee wurde dann rasch ein genaues Bild: Ich wollte so etwas wie den ersten Kölner „Mafioso“ erschaffen und meine Heldin mit den Auswirkungen konfrontieren, die sein Wirken ebenso wie sein Tod auf ihr Leben und das vieler anderer Menschen hat.

3. Wann und wo schreiben Sie am liebsten? Wie muss die Stimmung sein? Haben Sie einen genauen und geregelten Plan, oder schreiben Sie wie es gerade passt?

Ich schreibe, wenn irgend möglich, sehr diszipliniert ca. 10 Seiten pro Tag an fünf Tagen in der Woche. Dabei hab eine Seite zwischen 300 und 330 Wörter. Bevorzugt schreibe ich vormittags ab 8 Uhr und bin auf diese Weise normalerweise zwischen 11 und 13:30 Uhr mit dem Pensum fertig. Sinnvollerweise lasse ich mich während dieser Schreibzeit nicht von E-Mails, dem Telefon oder gar den sozialen Netzwerken ablenken, sondern höre ggf. lediglich die passende Musik zum Buch, die von Manuskript zu Manuskript je nach Gefühl und Thema sehr unterschiedlich sein kann. Für schnelle Recherchen zwischendurch lasse ich auch einen Tab des Webbrowsers geöffnet, meistens mit der Google-Suchmaske.
Am wohlsten fühle ich mich beim Schreiben in meinem Arbeitszimmer, ganz selten weiche ich aber auch (bei gutem Wetter) auf die Terrasse aus oder ins Bett, wenn ich krank bin.
Wenn ich auf die passende Schreibstimmung warten würde oder darauf, dass es gerade passt, würde ich im Leben keinen Roman fertigschreiben. Schreiben ist zehn Prozent Talent (ohne die es natürlich nicht geht) und 90 Prozent Handwerk und harte Arbeit, die man, wie jeden Beruf, erlernen und trainieren muss. Auch die Disziplin, sich täglich hinzusetzen und zu schreiben (es müssen ja nicht gleich zehn Seiten sein), kann man sich anerziehen. Da ich zu den absoluten Vielschreiberinnen gehöre, muss ich mich vernünftig organisieren, damit mir unterm Strich auch noch ausreichend Zeit zum Leben und Atmen bleibt. Denn mit dem reinen Schreiben ist es ja nicht getan. Da kommen Lektorate, Fahnenkorrekturen und der riesige Bereich des Marketings hinzu, den AutorInnen zunehmend selbst in die Hand nehmen müssen, weil die Verlage sich zumeist auf wenige Spitzentitel konzentrieren bzw. weil vielleicht gar nicht in einem Verlag publiziert wird, sondern als Selfpublisher. Ich tue übrigens beides parallel, veröffentliche also in großen Publikumsverlagen und auch verlagsunabhängig, Letzteres hauptsächlich unter meinem Pseudonym Mila Roth.

4. Die Recherche ist für einen Roman sehr wichtig, was können Sie uns dazu verraten? Wie viele Notizbücher schreiben Sie voll, bis daraus ein Roman wird?

Keine Notizbücher, sondern eher College-Blöcke. Es ist aber sehr unterschiedlich, wie intensiv ich recherchieren muss. Wenn es um das späte Mittelalter geht, muss ich inzwischen nur noch spezielle Details recherchieren, weil ich mich mit der damaligen Lebenswelt nach etlichen Romanen bereits sicher auskenne.
Wenn ich aber, wie bei „Der Hexenschöffe“ oder „Das Haus in der Löwengasse“ in neue Epochen eintauche, benötige ich ungleich mehr Zeit, weil ich mich ja vollständig neu einlesen muss, um das Leben und Empfinden der Menschen einer bestimmten Zeit so glaubhaft wie nur möglich darstellen zu können.
Bei solchen Recherchen stolpere ich nicht selten über spannende Details, die ihren Weg möglicherweise später in einen ganz anderen Roman finden.
Grundsätzlich ist es so, dass ich immer mindestens zehnmal mehr recherchiere, als am Ende tatsächlich in das Manuskript hineinfließt. Doch all das, was nun vielleicht auf den ersten Blick als überflüssige Recherche erschienen mag, ist dennoch wichtig, denn nur, wenn man ein umfassendes Bild einer Epoche im Kopf hat, kann man die Figuren des Romans wirklich lebensecht denken, handeln und fühlen lassen.


5. Wie viele Fach- und Schachbücher haben Sie für diesen Roman gelesen, um den Background der Geschichte abzudecken?

Für „Das Gold des Lombarden“? Sie werden lachen, nur zwei. Außerdem noch einige wissenschaftliche Aufsätze und Quellen zu bestimmten Themen, wie dem Geldwechsel- und Sicherheitenwesen des späten Mittelalters. Wie oben bereits erwähnt ist es von immensem Vorteil, wenn man bereits viele Romane geschrieben hat, die in derselben Epoche und noch dazu in derselben Stadt spielen. Damit ist der Grundstock bereits gelegt und man kann sich auf die notwendigen Details konzentrieren.

6. Haben die Schauplätze in Ihren Romanen immer reale Vorbilder und wenn ja, haben Sie diese auch besucht? Gab es etwas Lustiges auf einer Recherchereise, dass Sie uns verraten würden?

Die Schauplätze in „Das Gold des Lombarden“ kann man zum größten Teil heute noch besuchen/besichtigen, denn Kölns Straßen, Plätze und die historischen Gebäude haben ja zu einem großen Teil immer noch Bestand. Wenn ich es für nötig halte, fahre ich natürlich auch dorthin, um mir bestimmte Begebenheiten vor Ort anzusehen. Aber auch hier ist es wie oben erwähnt: Das Meiste weiß ich schon von früheren Recherchen. Leider kann ich, was lustige Erlebnisse angeht, so gar nichts beisteuern, da mir bisher nie etwas Besonderes oder Witziges passiert ist.

7. Haben Sie eine persönliche Lieblingsfigur in diesem Roman?

Nicht nur eine, denn im Grunde mag ich jede einzelne Figur sehr, sehr gern, weil sie alle auf ihre Weise einzigartig sind. Neben den beiden Hauptfiguren Aleydis und Vinzenz, die sich so herrlich streiten können, hat mich der kleine Straßenjunge Lentz immer wieder zum Lachen gebracht, Cathreins Schicksal mich tief berührt. Den guten Symon (Knecht in Aleydis‘ Hauhalt und Eunuch) hätte ich gerne ab und zu geknuddelt, mich mit der scharfäugigen Alba zu einem Klaaf zusammengesetzt und mich sogar mit der abergläubischen Köchin Ells über die Bedeutung von Elstern gezankt.

8. Entwickeln sich die Figuren immer so wie man es geplant hat? Oder haben die Figuren manchmal ein Eigenleben?

Manchmal? Grundsätzlich! Zwar habe ich die Charaktere immer einigermaßen vor Augen, wenn ich mit dem Schreiben beginne, aber wenn sie sich nicht allesamt spätestens auf Seite 50 verselbstständigen, dann stimmt etwas mit meinem Manuskript nicht.
Tatsächlich warte ich geradezu auf den Moment, in dem die Figuren die Regie übernehmen und ich quasi nur noch mitschreiben muss. Denn genau ab diesem Zeitpunkt weiß ich, dass die Figuren für die LeserInnen lebendig und greifbar sein werden.
Ich plane einen Roman immer nur als Gerüst, aus dem ich auch das Exposé für den Verlag erstelle. Doch mehr als ein roter Faden ist das für mich nicht. Ich weiß, wo ich hin will, aber das Wie entscheidet sich zum größten Teil während des Schreibens.

9. Lesen Sie Buchkritiken oder Rezensionen? Wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Ja, ich lese Rezensionen, allerdings aus Zeitmangel längst nicht alle. Über die guten und sehr guten freue ich mich natürlich riesig, bei negativer Kritik schaue ich erst einmal hin, wie sie geäußert wird und aus welchem Grund. Wenn jemandem mein Buch einfach nicht gefallen hat, dann ist das vollkommen okay für mich. Ich kann nicht den Geschmack jedes einzelnen Lesers und jeder einzelnen Leserin treffen, das ist schlichtweg unmöglich. Geht es um ganz spezielle Dinge oder gar (vermeintliche) Fehler, dann behalte ich diese im Hinterkopf. Zumindest dann, wenn die Kritik wirklich gerechtfertigt ist. Rezensionen, die lediglich darauf ausgerichtet sind, Unfrieden zu stiften oder mich unterhalb der Gürtellinie zu treffen, ignoriere ich weitgehend, es sei denn, sie wären derart unverschämt, dass ich den Verlag einschalten müsste. Glücklicherweise ist mir so etwas bislang erspart geblieben.
Antworten schreibe ich in aller Regel nicht auf (negative) Kritiken, es sei denn, ich kann einen Kritikpunkt freundlich und belegbar sofort widerlegen. Auf diese Weise konnte ich sogar schon interessante Gespräche bzw. Mailwechsel mit Kritikern führen.
Insgesamt muss man/frau sich als AutorIn auf jeden Fall ein Fell von ausreichender Stärke zulegen, denn auch einfach ehrlich gemeinte Aussagen wie „Das hat mir überhaupt nicht gefallen“ können schmerzhaft sein. Ebenso hart können manche Formulierungen treffen, die darauf abzielen, wie (aus Sicht des Kritikers) minderwertig die Story, die Sprache, die Figurenentwicklung oder was auch immer sind. Viele Menschen nehmen in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund und machen sich auch nicht die Mühe, sich höflich auszudrücken. Als Autorin muss ich einfach lernen, darüber zu stehen, das mitzunehmen, was mir plausibel erscheint, und das, was als Gemeinheit gedacht ist, auszublenden und mich stattdessen an den Leserstimmen zu erfreuen, die sich positiv oder gar begeistert über mein Buch äußern. Das ist meine Zielgruppe und die ist glücklicherweise in erfreulicher Überzahl.

Special 3.1 Steckbrief und ein paar private Fragen an Petra Schier

Quelle: Homepage der Autorin

Name: Petra Schier
Pseudonym: Mila Roth (derzeit nur für meine Selfpublishing-Titel)
Sternzeichen: Wassermann
(gefühltes) Alter: in echt 39, gefühlt … na mindestens zehn Jahre jünger. 🙂
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Beruf: Autorin
Haustier: Schäferhund, Hühner (wobei das eher Gartentiere sind)
Hobbys: lesen (kommt meistens zu kurz), wandern mit meinem Mann und Hund, backen
Sport (aktiv oder passiv): aktiv täglich ca. eine Stunde Crosstrainer, manchmal auch Aerobic, Hula Hoop mit dem 1,5 kg Sportreifen, alles in unserem eigenen Fitnessraum
Lieblingsreiseziel: Nordsee
Lieblingsspeise: Da gibt es einige. Wenn ich mich auf eine festlegen muss: Reibekuchen mit Apfelmus nach dem Rezept meiner Mama.
Lieblingsblume: Rosen, Orchideen und Gänseblümchen
Lieblingslied; Lieblingsband oder auch Musikrichtung: Rock, Pop … Ich höre fast alles querbeet, auch Klassik. Nur deutsche Schlager und Volksmusik sind nicht so meins. Ach ja, Deathmetal und Konsorten müssen es auch nicht unbedingt sein.
Lieblingsfilm/ Lieblingsserie: An Filmen gibt es viele, die würden den Platz hier sprengen. Ebenso Serien. Eine kleine Auswahl: Castle, The Mentalist, Lucifer, Scarecrow & Mrs. King (Agentin mit Herz), Gilmore Girls, The Nanny uvm. Am liebsten alle immer im englischen Originalton.
Lieblingsbuch: „Emma“, „Stolz und Vorurteil“ und „Verstand und Gefühl“ von Jane Austen; „Die Stimme“, „Die Vision“ und „Die Zauberquelle“ von Judith Merkel Riley; „Rivers End“ von Nora Roberts (und von ihr außerdem noch unzählige weitere Romane); außerdem mag ich auch sehr gerne die Romane von Sarah Morgan, aber eben auch noch viele weitere Bücher, für die hier der Platz fehlt.
Lieblingsautor: siehe oben: Jane Austen, Nora Roberts, um die beiden für mich wichtigsten zu nennen.
Buch, Hörbuch oder eBook: Kommt drauf an. Buch und eBook gleichermaßen gerne, Hörbuch je nach Lust und Laune.
Lieblingsspielzeug als Kind: Plasticant, kennt das heute überhaupt noch jemand? Ich habe eine ganze Kiste davon von meinen älteren Brüdern geerbt und unzählige Stunden damit gespielt. Hier mal der Link zum Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Plasticant; außerdem Plüschtiere en masse und Barbie(s), also mehrere weibliche und zwei männliche. Ken und dessen blonde Version, von der ich gar nicht weiß, welchen Namen sie (bzw. er) offiziell hatte. Bei mir wurden sie eh alle umbenannt. Ich hatte außerdem aus dem Traumhaus Wohn- und Schlafzimmer, die Küche nur als Möbel mit allen Einzelteil(ch)en, das Pferd Zwinkerstern (hieß glaube ich so, weil es zwinkern konnte, wenn man am Schweif zog). Ach ja, und ein weiteres, für mich und meine beste Freundin damals unverzichtbares Spielzeugset: Ein Gummitwist-Gummi (wahlweise tat es auch eine verknotete Kordel) und ein etwa fünfzig Zentimeter langes Stöckchen. Beides zusammen diente uns als Zügel und Gerte beim Pferdchen-Spielen. Den Gummi um die eigene Taille geschlungen und vor dem Bauch als Zügel gehalten und in der rechten Hand die Gerte und dann losgaloppiert. Wir besaßen gemeinsam einen riesigen imaginären Pferdestall mit hunderten wunderschönen Pferden aller Rassen und Farben, über die wir sogar Namenslisten führten. Ich weiß gar nicht, ob meine noch irgendwo existiert. Müsste ich mal auf dem Speicher suchen. 🙂
Lieblingsjahreszeit: Ich liebe alle Jahreszeiten.

1) Wie lassen Sie in der Regel den Tag ausklingen? Fernsehen, Lesen oder etwas ganz anders?

Meistens mit einer oder mehreren Folgen einer Lieblingsserie auf Netflix, Maxdome oder Amazon Prime/Video. Allerdings erst, nachdem ich mein Sportpensum absolviert habe. Das brauche ich an mindestens fünf Tagen die Woche, um mich nach einem langen Arbeitstag so richtig schön auszupowern.
Lesen ist eher meine Wochenend- oder Badewannen-Beschäftigung geworden oder auch für die Sommerzeit auf der Terrasse vorbehalten. Ich habe den ganzen Tag so viel mit Schreiben und Lesen, online wie offline, zu tun, dass ich am Abend gerne einfach mal Bilder und Stimmen auf mich einrieseln lasse.

2) Wenn Sie auf unsere Gesellschaft blicken, was freut Sie besonders bzw. was macht sie wütend und traurig?

Mich macht traurig, dass die Menschen aus der Geschichte einfach nicht zu lernen in der Lage zu sein scheinen und dass es so viel Hass und Unfrieden auf der Welt gibt.
Glücklich macht mich, dass trotz allem die Welt auch näher zusammenrückt. Hier haben die rasante Entwicklung der Technik und das Internet eine, wenn nicht die wichtigste Vermittlerrolle. Ich habe über das Internet (nicht nur die sozialen Netzwerke) sehr viele nette und interessante Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt, deren Bekanntschaft oder Freundschaft ich nicht mehr missen möchte. Und dabei wird mir immer wieder bewusst, dass es überall rund um den Globus weit mehr nette, hilfsbereite und liebenswerte Menschen gibt als böse, intolerante oder gar hasserfüllte. Auch wenn uns das im alltäglichen Geschehen oft andersherum vorkommt.

3) Hand aufs Herz. Gibt es etwas vor dem Sie sich drücken, wenn es geht? Was machen Sie gar nicht gerne, muss aber ab und zu sein?

Fenster putzen. Das hasse ich wie die Pest.

4) Was würden Sie sofort abschaffen, wenn Sie es könnten? Bzw. was nervt Sie am meisten?

Ländercodes auf DVDs und alle länderspezifischen Restriktionen auf die Ausstrahlungen von Filmen und TV-Serien würde ich umgehend abschaffen, wenn ich könnte. Beides führt nämlich unter anderem auch zum Boom illegaler Downloads. Wenn ich einen Film oder eine Serie entdecke, möchte ich in der Lage sein können, sie zeitnah ansehen (z. B. streamen) zu können, gerne auch gegen das entsprechende Entgelt. Doch oftmals gibt es die Serien erst mal nur in den USA und man müsste wegen der lizenzrechtlichen Einschränkungen irgendwelche IP-Verschleierer-Programme oder was weiß ich verwenden, um sich die Episoden anzusehen, oder sie irgendwo illegal herunterladen, was ja nun wirklich nicht Sinn der Sache sein kann. Weltweite Lizenzrechte von Beginn an wären in dieser Hinsicht extrem hilfreich.

5) Über was können Sie lachen?

Über viele Dinge. Die alle aufzuzählen, würde eine Menge Zeit und Raum einnehmen. Immerhin kann ich manchmal auch über mich selbst lachen.

6) Sie erliegen einem Kaufrausch. Was landet auf jeden Fall im Einkaufskorb?

– Jeans. Ich weiß auch nicht, aber ich kann da selten widerstehen. Schlimmer noch als Schuhe.
– Zimmerpflanzen, hauptsächlich Orchideen
– Koch- und Backbücher und Koch- und Backutensilien und –zutaten
– Modeschmuck

7) Welche historische Persönlichkeit würden Sie am liebsten mal treffen, um sie so richtig mit Fragen zu löchern?

– Jane Austen, wobei ich sie wohl nicht mit Fragen löchern, aber sicherlich ein paar interessante und nette Plauderstunden mit ihr verbringen würde.

– Den Hexenkommissar Jan Möden, aber der würde wohl eher mich mit (inquisitorischen) Fragen löchern als umgekehrt … Dennoch würde mich brennend interessieren, wie er (oder Männer wie er) wirklich getickt haben, was sie gedacht, empfunden oder nicht empfunden haben, wenn sie falsche Geständnisse aus ihnen Opfern herausfoltern ließen.

Rebecca Gablé, Jonah – Das Imperium (Der König der purpurnen Stadt – 3)

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Über das Hörbuch:
London 1348. Jonah Durham hat Intrigen, zerstörerische Kriege und Schicksalsschläge überwunden. Sein mit List und Vorsicht aufgebautes Handelsimperium floriert. Nun will er auch die letzten Sprossen seines Aufstiegs erklimmen – mächtige Ämter im Königreich winken. Nur sein ältester Sohn Lukas bereitet ihm Sorgen. Er weigert sich, in die Fußstapfen zu treten und Jonahs Vermächtnis weiterzuführen. Doch all das wird bedeutungslos, als in den engen Gassen Londons die Pest ausbricht. Gemeinsam mit Pater Ashe versucht Jonah verzweifelt, die Seuche zu bekämpfen. Denn der Schwarze Tod macht auch vor seiner Familie keinen Halt. Im Kampf gegen die Pest bemerkt Jonah nicht, dass sich hinter seinem Rücken eine hinterlistige Intrige zusammenbraut. Wem kann er noch vertrauen?
„Jonah – Das Imperium“ ist das große Finale der grandiosen Hörspieladaption von Rebecca Gablés „Der König der purpurnen Stadt“. Das Epos um den Aufstieg von Jonah Durham zum mächtigsten Tuchhändler des englischen Königreichs wurde von Audible Entertainment als ungekürzte Hörspiel-Trilogie produziert und von Oliver Rohrbecks Lauscherlounge fulminant in Szene gesetzt. Neben monumentaler Soundkulisse und eigens komponierter Musik erwecken 70 fantastische Sprecher das mittelalterliche England zum Leben.
(Quelle: http://www.audible.de)

Über die Autorin:
Rebecca Gablé wurde am 25. September 1964 in einer Kleinstadt am Niederrhein geboren. Nach dem Abitur 1984 machte sie eine Lehre als Bankkauffrau. In diesem Beruf hat sie anschließend auch vier Jahre gearbeitet, meistens auf einem Stützpunkt der Royal Air Force, wo sie viel über England, seine Sprache und seine Menschen gelernt hat. Aber die Lust am Erzählen hatte Rebecca Gablé immer schon, und 1990, nachdem sie ihren ersten Roman geschrieben hatte, gab sie ihren erlernten Broterwerb auf, um aus der Lust einen Beruf zu machen. Sie begann ein Literaturstudium in Düsseldorf, dessen Schwerpunkt sich mehr und mehr zur Mediävistik – der Lehre vom Mittelalter – verlagerte. (Quelle: http://www.gable.de)

Über die Sprecher:
Neben Erzähler Detlef Bierstedt gehören u. a. Timmo Niesner, Dorette Hugo, Oliver Siebeck, Uve Teschner, Elena Wilms, Norman Matt, Nicolas Artajo, Greta Galisch, Erich Räuker, Michael Iwannek, Ulrike Stürzbecher, Vera Teltz, Britta Steffenhagen und Stefan Kaminski zum eindrucksvollen Ensemble. (Quelle: http://www.audible.de)

Meine Meinung:
Wie auch schon die ersten beiden Teile hat mich auch der dritte Band dieser Hörspiel-Trilogie vollkommen überzeugt. Es ist einfach unglaublich welche Atmosphäre und welches Flair die Autorin, die Sprecher, die Musik und die Hintergrundgeräusche schaffen. Einfach einmalig! Ich habe es keine Sekunde bereut, dass ich mir die Zeit für diese Geschichte genommen und meine Guthaben bei audible dafür eingesetzt zu haben. So eine Produktion ist sicherlich sehr aufwändig und auch kostspielig.
Folglich stehen natürlich auch Robin sowie John (Waringham-Saga), die neuen Hörspiele nach den Romanen von Rebecca Gablé schon auf meiner Wunschliste. Zum Inhalt möchte ich gar nichts mehr sagen, aber ich kann verraten, dass es wieder sehr spannend wird, man hofft, leidet und bangt mit Jonah und seiner Familie. Seine Feinde schlafen auch in diesem Teil nicht und machen ihm das Leben schwer. Vielen Dank an die Autorin für diese einmalige Geschichte und an audible für diese sehr gelungene Umsetzung.

Tanja Kinkel, Grimms Morde

Schlagwörter

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Über das Buch:
Der neue historische Roman der Spiegel-Bestsellerautorin Tanja Kinkel führt zurück in das neunzehnte Jahrhundert und verbindet märchenhaftes Setting und historische Spannung mit einer grausamen Mordserie. Rot wie Blut…
Kassel, 1821: Die ehemalige Mätresse des Landesfürsten wird nach Märchenart bestialisch ermordet. Die einzigen Indizien weisen ausgerechnet auf die Gebrüder Grimm. Weil die Polizei nicht in Adelskreisen ermitteln kann, die sich lieber Bericht erstatten lassen, anstatt Fragen zu beantworten, kommen den Grimms Jenny und Annette von Droste-Hülshoff zur Hilfe. Ein Zitat aus einer der Geschichten, welche die Schwestern zur Märchensammlung der Grimms beigetragen hatten, war bei der Leiche gefunden worden. Bei ihrer Suche müssen sich die vier aber auch ihrer Vergangenheit stellen: Vorurteilen, Zuneigung, Liebe – und Hass, und diese Aufgabe ist nicht weniger schwierig. In einer Zeit, wo am Theater in Kassel ein Beifallsverbot erteilt wird, damit Stücke nicht politisch missbraucht werden können, Zensur und Überwachung in deutschen Fürstentümern wieder Einzug halten und von Frauen nur Unterordnung erwartet wird, sind Herz und Verstand gefragt.
Geschickt verwebt Tanja Kinkel die privaten Verwicklungen von zwei der berühmtesten Geschwisterpaare der deutschen Literaturgeschichte in ein unglaubliches Verbrechen. Ein Mordsbuch.
(Quelle: http://www.droemer-knaur.de)

Über die Autorin:
Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, gewann bereits mit 18 Jahren ihre ersten Literaturpreise. Sie studierte in München Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und promovierte über Aspekte von Feuchtwangers Auseinandersetzung mit dem Thema Macht. 1992 gründete sie die Kinderhilfsorganisation „Brot und Bücher e.V“, um sich so aktiv für eine humanere Welt einzusetzen (mehr Informationen: http://www.brotundbuecher.de). Tanja Kinkels Romane wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt; sie spannen den Bogen von der Gründung Roms bis zum Amerika des 21. Jahrhunderts. Zu ihren bekanntesten Werken gehören „Die Löwin von Aquitanien“ (1991), „Die Puppenspieler“ (1993), „Mondlaub“ (1995), „Die Schatten von La Rochelle“ (1996), „Die Söhne der Wölfin“ (2000), „Götterdämmerung“ (2003), „Venuswurf“ (2006), „Säulen der Ewigkeit“ (2008) und „Im Schatten der Königin“ (2010), „Das Spiel der Nachtigall“ (2011), „Verführung“ (2013) und „Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin“ (2014). (Quelle: http://www.droemer-knaur.de)

Meine Meinung:
Tanja Kinkel hat ein Buch geschrieben in dem man jede Zeile aufsaugt und eintaucht in längst vergangene Zeiten. Eigentlich bin ich ja jemand der immer und überall lesen kann, ob unterwegs auf dem Weg zur Arbeit, ob beim Arzt im Wartezimmer, beim Frisör oder auch abends auf der Couch bzw. im Lieblingssessel. Bei diesem Buch klappte dies aber irgendwie nicht, dieses Buch verlangt von seinen Lesern Aufmerksamkeit und vollkommene Bereitschaft sich auf die Story einzulassen, so brauchte ich gefühlt viel länger für dieses Buch, als ich eigentlich für knapp 500 Seiten „normalerweise“ brauche. Dies bitte nicht als Kritik verstehen, dieses Buch ist schlicht und ergreifend kein „Strandbuch“ was man einfach mal so runter liest und einen gut unterhält, dieses Buch ist ein Kunstwerkt was vor allen Dingen durch seine Sprache und seinen Aufbau besticht.
Bereits das Cover fällt auf, es kommt elegant und schlicht daher, als besonders schön empfinde ich die Goldprägung und die Gestaltung in den Cremetönen gepaart mit dem Blutrot, was sehr zum Buch passt.
Der Klappentext gibt auch bei diesem Buch wieder einen sehr tiefen Einblick in das Geschehen, manchmal ist weniger einfach mehr. Aber bei diesem Buch steht eigentlich nicht so sehr die Story im Vordergrund, sondern vor allen Dingen die vier Protagonisten und die sehr außergewöhnliche Sprache. Die meisten Leser kennen die Gebrüder Grimm aus ihren Kindheitstagen, viele sind mit Grimms Märchen aufgewachsen. Jacob und Wilhelm Grimm erweckt Tanja Kinkel zum Leben und lässt uns hinter die Fassade der Märchen blicken, wer sind die Männer, die diese Märchen zusammengetragen und veröffentlicht haben. Vielleicht mag der eine oder die andere noch etwas über die Brüder Grimm wissen, den allerwenigsten dürfte aber die jahrelange Bekanntschaft mit den Schwestern Jenny und Annette von Droste-Hülshoff bekannt sein. Es ist höchst interessant wie Tanja Kinkel diese beiden Geschwisterpaare agieren lässt. Sie entwirft ein Geflecht aus Zuneigung, Abhängigkeiten, Liebe und Hass. Neben diesen vier herausragenden Figuren gibt es nur wenige Nebenfiguren. Die Figur die mir am nächsten im ganzen Roman war, ist Lotte Grimm, die jüngere Schwester von Jacob und Wilhelm. Sie versucht die ganze Zeit ihren Bruder Wilhelm eine Ehe schmackhaft zu machen, was in der einen oder anderen Szene bei mir zu einem Schmunzeln führte.
Der Mordfall ist der rote Faden, an dem sich der Roman entfaltet. Ebenso im Mittelpunkt stehen aber auch die Vorkommnisse in Bökendorf, die vor allen Dingen das Leben der Annette von Droste-Hülsfoff prägen sollte. Dieses Geheimnis lüftet die Autorin meisterlich, sodass immer mehr Details ans Licht kommen, die dem Leser eine Ahnung geben was vorgefallen sein könnte.
Wie bereits gesagt ist der Roman sprachlich etwas ganz Besonderes. Tanja Kinkel hat diesen Roman in der Sprache der Zeit verfasst in der dieser Roman spielt. Die Aufmerksamkeit, die von den Lesern verlangt und auch erwartet wird, wird belohnt mit einem bunten Potpourri der Möglichkeiten unserer Sprache. Sätze die wir heute niemals so in unseren Unterhaltungen einfließen lassen würden, finden wir in diesem Roman, ebenso längst vergessene Worte und Redewendungen. Vieles wird nur angedeutet und muss aus den Zeilen herausgelesen werden, manches bleibt unterschwellig und tritt nicht ans Tageslicht. Ein wahres Kunstwerk welches man Seite für Seite genießen kann.
Dabei beschränkt sich die Autorin nicht auf eine Perspektive, sondern wählt sowohl die grimmsche Version, als auch die der Schwestern Droste-Hülshoff.
Erläuternd ist dann vor allen Dingen das Nachwort, ergänzend die Bibliographie, die den runden Abschluss zu diesem Roman bilden.
Ich kann diesen Roman nur allen Leserinnen und Lesern von historischen Romanen ans Herz legen, die die Bereitschaft haben sich ganz auf einen Roman mit einer für uns erst einmal ungewöhnlichen Sprache einzulassen.
Eine volle Kauf- und Leseempfehlung von mir. Eines der Bücher, die man in diesem Herbst gelesen haben sollte.
Ich bedanke mich bei Tanja Kinkel für diesen außergewöhnlichen Roman und ihre Bereitschaft bei diesem Special dabei zu sein. Ebenso gilt mein Dank der Verlagsgruppe Droemer – Knaur in Person meiner Betreuerin Patricia Keßler für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Special 2.2 Tanja Kinkel und ihre Arbeit als Autorin

Quelle: Homepage der Autorin

1. Autorin!? Schon immer ein Traumberuf oder stand als Kind etwas ganz anderes auf der Wunschliste? Wie kam es bei Ihnen zum Schreiben?

Im Kindergarten wollte ich mal Seiltänzerin werden, aber von der Grundschulzeit aufwärts Schriftstellerin. In meiner Schulzeit schrieb ich Kurzgeschichten und versuchte als Teenager hin und wieder, auch Romane zu verfassen. Die gingen dann regelmäßig aus Mangel an Ausdauer nach ein, zwei Schulheften ein. Meinen ersten vollendeten Roman verfaßte ich nach meinem Umzug nach München, und fand sogar einen Verlag für ihn.

2. Was war die Initialzündung zu Ihrem neuen Roman?

Die Lektüre von Steffen Martus‘ Grimm-Biographie vor ein paar Jahren; die Persönlichkeiten von Jacob und Wilhelm Grimm erinnerten mich darin stark an Sherlock Holmes und Dr. Watson.

3. Wann und wo schreiben Sie am liebsten? Wie muss die Stimmung sein? Haben Sie einen genauen und geregelten Plan, oder schreiben Sie wie es gerade passt?

Die Stimmung ist irrelevant, wenn ich erst einmal in der Schreibphase stecke. Wichtig ist, daß ich meine Ruhe habe und nicht gestört werde. Das ist natürlich vor allem in meiner Wohnung der Fall, doch ich kann auch an anderen Orten schreiben, und habe das auch getan, wenn sie mir genügend Freiraum und Ruhe bieten. Was den Plan betrifft: ehe ich überhaupt soweit bin, mich an das Manuskript zu machen, muß der Roman im Groben in meinem Kopf bereits stehen, und das ist etwas, was sich während der Recherchephase in mir entwickelt.

Quelle: Homepage der Autorin

4. Die Recherche ist für einen Roman sehr wichtig, was können Sie uns dazu verraten? Wie viele Notizbücher schreiben Sie voll, bis daraus ein Roman wird?

Bei mir dauert die Recherchephase etwa eineinhalb Jahre. Was nicht heißt, daß ich in dieser Zeit nur recherchiere. Es kann sein, daß ich einen Monat lang intensiv arbeite, und im nächsten überhaupt nichts tue, sondern das Erfahrene auf mich einwirken lasse. In jedem Fall ist es für mich wichtig, nicht nur viel über die Hauptfiguren – soweit sie denn historisch sind – herauszufinden, sondern auch über die Nebenfiguren, über die Zeit, über Nahrungs- und Kleidungsgewohnheiten, über, soweit vorhanden, Musik und Literatur der Epoche. Kurz, alles, was mir dabei hilft, mich in den Alltag meiner Figuren hineinzuversetzen. Davon endet gewöhnlich nur ein Bruchteil tatsächlich in dem Roman, aber für mich stellt es eine wichtige Grundlage da, um mich geistig und emotional in einer Epoche bewegen zu können. Am Ende jeder Recherche steht dann, soweit möglich, eine Reise zu den wichtigsten Handlungsorten.

5. Wie viele Fach- und Schachbücher haben Sie für diesen Roman gelesen, um den Background der Geschichte abzudecken?

Die wichtigsten Quellen habe ich in der Bibliographie angegeben, aber sie sind nur etwa ein Viertel der Bücher, die ich für „Grimms Morde“ las. Also, grob geschätzt würde ich sagen: etwa fünfzig Bücher.

6. Haben die Schauplätze in Ihren Romanen immer reale Vorbilder und wenn ja, haben Sie diese auch besucht? Gab es etwas Lustiges auf einer Recherchereise, dass Sie uns verraten würden?

Quelle: Homepage der Autorin

Von meinen zwei Fantasy-Romanen einmal abgesehen, sind die Handlungsorte in der Regel vorhanden. Meine abenteuerlichste Recherchereise war zweifellos die für „Manduchai“ durch die Mongolei. Außerhalb von Ulan Bator habe ich nur in Jurten übernachtet. Ehe ich jedoch die Hauptstadt verließ, konnte ich die einzige Frau am Obersten Gerichtshof interviewen, Tserenbaltavyn Sarantuya, die mir sagte: „Ein guter Mongole, Frau Kinkel, heißt es bei uns, liebt seine Eltern, sein Pferd und seine Frau, in dieser Reihenfolge. Und über die Hälfte unserer Liebeslieder sind an Pferde gerichtet. Vergessen Sie das nie.“

7. Haben Sie eine persönliche Lieblingsfigur in diesem Roman?

Mit den Hauptfiguren ist wie bei Kindern, man hängt an allen. Die Nebenfigur, die ich am meisten ins Herz schloß, war Lotte Grimm.

8. Entwickeln sich die Figuren immer so wie man es geplant hat? Oder haben die Figuren manchmal ein Eigenleben?

Die Hauptfiguren entwickeln sich für mich während ca. eineinhalb Jahre der Recherchephase, d.h. ich nähere mich ihnen an und forme mir ein Bild von ihnen, soweit sie historisch sind, oder entwickele sie über eine Grundidee zu einem Charakter, wenn sie erfunden sind. Die Nebenfiguren hingegen sind in diesem Stadium nur auf ihre Funktion und ihren Namen beschränkt, und sie sind es, die sich dann während des Schreibens noch entwickeln und mich überraschen können. Aber nicht in dem Sinn, daß ich ihnen auf einmal ein ganz anderes Schicksal zuweise.

9. Lesen Sie Buchkritiken oder Rezensionen? Wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Ich glaube, der Autor oder die Autorin, die behaupten, Kritik gegenüber immun zu sein oder sie erst gar nicht zu lesen, schwindelt ein wenig. Natürlich lese ich Kritiken, freue mich über gute, und ärgere mich über schlechte. Ob gut oder schlecht, sie kommen natürlich lange, nachdem ich das Manuskript abgeschlossen habe, also kann ich nicht sagen, daß sie mich als Autorin beeinflussen, nur als Privatperson, der durch sie der Tag verschönt oder im Extremfall verdorben wird.

Quelle: Homepage der Autorin

Special 2.1 Steckbrief und ein paar private Fragen an Tanja Kinkel

Foto Tanja Kinkel: © FinePic, München

Name: Tanja Kinkel
Pseudonym: habe keines
Sternzeichen: Waage
(gefühltes) Alter: immer einen Tag reifer, als ich es gestern war.
Bundesland: Bayern
Beruf: Autorin
Haustier: Katze
Hobbys: Reisen, Theater, Film, Geschichte
Sport (aktiv oder passiv): Wandern, Skifahren
Lieblingsreiseziel: London
Lieblingsspeise: Kalbssteak mit Rahmmorcheln und Spätzle.
Lieblingsblume: Die Blaue Blume der Romantik
Lieblingslied; Lieblingsband oder auch Musikrichtung: Die Beatles
Lieblingsfilm/ Lieblingsserie: Serie Sci Fi: Babylon 5, Serie historisch: Ich, Claudius, Kaiser und Gott
Lieblingsbuch: Shakespeares Gesammelte Werke
Lieblingsautor: Lion Feuchtwanger
Buch, Hörbuch oder eBook: Buch, wenn ich in meinen eigenen vier Wänden entspanne, Hörbuch, wenn ich den ganzen Tag vor dem Computer gesessen habe, eBook, wenn ich gerade reise, und dankbar für das mangelnde Gewicht bin.
Lieblingsspielzeug als Kind: Der Kassettenrekorder, den eine Freundin und ich benutzten, um selbst ausgedachte Abenteuergeschichten aufzunehmen.
Lieblingsjahreszeit: Frühherbst.

Foto Tanja Kinkel – Homepage

  • Wie lassen Sie in der Regel den Tag ausklingen? Fernsehen, Lesen oder etwas ganz anders?

Lesen oder Hörbuch, je nachdem, ob ich den ganzen Tag mit dem Computer gearbeitet habe.

  • Wenn Sie auf unsere Gesellschaft blicken, was freut Sie besonders bzw. was macht sie wütend und traurig?

Was mich besonders freut: acht Millionen ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, die sich Anfeindungen und Beschimpfungen aussetzen, sich für andere einsetzen, sich trotz allem nicht entmutigen lassen. Was mich besonders wütend und traurig macht: jeden Tag sterben mißhandelte Kinder, die ins schulpflichtige Alter kommen, meist durch Familienangehörige, die sich davor fürchten, entdeckt zu werden.

  • Hand aufs Herz. Gibt es etwas vor dem Sie sich drücken, wenn es geht? Was machen Sie gar nicht gerne, muss aber ab und zu sein?

In meinem Büro aufräumen. Irgendwann hilft es auch nicht mehr, überzeugt zu sein, ich selbst wisse schon, in welchem Stapel welches Dokument steckt…

  • Was würden Sie sofort abschaffen, wenn Sie es könnten? Bzw. was nervt Sie am Meisten?

Die menschliche Dummheit, vor allem, wenn sie mit Grausamkeit oder Gleichgültigkeit gepaart ist.

  • Über was können Sie lachen?

Immer über gute Witze, gelegentlich über mich selbst.

  • Sie erliegen einem Kaufrausch. Was landet auf jeden Fall im Einkaufskorb?

Schokolade.

  • Welche historische Persönlichkeit würden Sie am liebsten mal treffen, um sie so richtig mit Fragen zu löchern?

Da gibt es zu viele, um sie alle aufzuzählen. Wobei ein Teil derer, die mich interessierten, mir wohl gar nicht Rede und Antwort stehen würde, vom Temperament her, wie zum Beispiel Manduchai, die Heldin meines gleichnamigen Romans, oder mich als aufdringlich empfinden würde, wie Annette von Droste-Hülshoff, die in „Grimms Morde“ eine zentrale Rolle spielt. Eine Chance auf ein amüsantes Gespräch, ohne den Kopf zu verlieren, hätte ich immerhin bei Walther von der Vogelweide, den ich in „Das Spiel der Nachtigall“ ins Zentrum stelle, und er könnte auch viele seiner Zeitgenossen hervorragend beschreiben. Also: Walther!